Juni 2021
Conero statt Corona

Die „Moscioli di Portonovo“ sind wilde Miesmuscheln, die an den jähen Klippen des Monte Conero an der Adriaküste gedeihen und von der Slowfood Stiftung in ein Leuchtturmprojekt zum Schutz regionaler Lebensmittel aufgenommen wurden. Diese Ehre teilen sie übrigens mit dem Bamberger Hörnla, aber das nur nebenbei. Die Einheimischen lieben ihre Moscioli beispielsweise „alla Marinara“, einer simplen Zubereitung mit viel Olivenöl, etwas Knoblauch, Zitrone und Peperoncino. Zu diesen Einheimischen gehören auch Georgina und Antonio Terni vom Weingut Fattoria Le Terrazze und so nimmt es nicht Wunder, dass sie wärmstens empfehlen, zu den Mollusken ihren famosen Rosato Pinkfluid 2019 (R68, € 8,40) auszuschenken.

Wir wissen nicht, was passiert, wenn man am Viktualienmarkt oder im Eataly nach Moscioli di Portonovo fragt, aber falls es schief geht, haben wir zwei rettende Ideen parat. Erstens: Die Moscioli heimlich mit gezüchteten Miesmuscheln ersetzen. Zweitens: In einer überfüllten Apotheke mit vorgehaltener Waffe den digitalen Impfpass besorgen und an die Adriaküste düsen.

Wer nicht nach Muscheln tauchen möchte, kann sich natürlich auch einfach fette Kottelets auf den Grill schweißen und beispielsweise mit Bamberger Hörnla garnieren. Das Getränk der Wahl wäre in diesem Fall der Rosso Conero DOC 2018 (R65, € 10,50), der neue und exzellente Jahrgang des Montepulciano, den die Fattoria im großen Holz reifen lässt.

Gerade steht der Holunder in voller Blüte und taucht die Stadt in Schwaden süßlichen Dufts. Wer sich diese feinen Aromen ins Weinglas zaubern möchte, dem empfehlen wir den Traminer Aromatico 2020 (W8, € 12,80) vom Weingut Kitzmüller oder den Gelben Muskateller 2020 (W38, € 8,80) vom Weingut Winkler. Ersterer ist mild und opulent, Zweiterer wird jene erfreuen, die gern eine knackige Säure am Gaumen spüren.

April 2021
Vogerlwein des Jahres

Bei der diesjährigen Wahl zum Vogel des Jahres sah es vorübergehend so aus, also würde die recht kontrovers beleumundete Stadttaube den Titel abräumen. Man kann sich lebhaft vorstellen, was für ein erbarmungsloses Gemetzel dies in den sozialen Medien ausgelöst hätte. Mit Handys bewaffnete Taubenmutterln, Tierschützer, Rote-Liste-Fetischisten und nicht zuletzt Angehörige der Stadtreinigung hätten sich wahrscheinlich bis Weihnachten gegenseitig mit Shitstorms überzogen. Das Verdienst, diesen Krieg verhindert zu haben, gebührt dem Rotkehlchen, das letzten Endes die Wahl gewann.

Und just dieser sympathische Piepmatz ziert das Etikett eines ganz besonderen Weins, den wir neu ins Sortiment genommen haben: die Garofanata IGT 2019 (W56, € 9,80) vom Weingut Terracruda. Die namensgebende märkische Rebsorte war bereits nahezu verschwunden, als die Protagonisten des Weinguts sie in einem gemeinsamen Projekt mit der Universität Ancona wiederentdeckten und dann rekultivierten. Der Lohn für den immensen Aufwand ist ein äußerst harmonischer Weißwein mit blumigen und fruchtigen Aromen, der sich auch in heißen Jahren seine erfrischende Säure bewahrt und recht moderate Mengen Alkohol generiert.

Angesichts dieser Umstände kommen wir nicht darum herum, die vom Aussterben bedrohte Garofanata zum Vogerlwein des Jahres auszurufen. Platz zwei belegt der von vielen Kunden geschätzte Incrocio Bruni 2018 (W57, € 9,80), dessen Etikett ein Wiedehopf schmückt. Der jetzt wieder verfügbare Boccalino Bianchello DOC 2020 (W55, € 7,80) hat zwar kein Vogerl vorzuweisen, dafür reüssiert er mit einem EU-Bio-Siegel auf dem Rücketikett. Dies gilt für alle Weine von Terracruda ab Jahrgang 2020, da die Konversionsphase zum Bio-Produzenten nun abgeschlossen ist. Ein heißer Tipp bei den Rotweinen ist diesmal der hervorragende Olpe Sangiovese Riserva 2017 (R71, € 11,80), dem unsere Partner von Terracruda zu unserer großen Freude erstmals einen sicheren DIAM-Naturkorken spendiert haben.

Zum Schluss noch eine Information für die Freunde der leider fast völlig ausverkauften friulanischen Weine von den Weingütern Riz und Kitzmüller: Den neuen Jahrgang 2020 erwarten wir für Mitte bis Ende Mai.

März 2021
Von Hühnern, Nüssen und Moosburgerinnen

Vom Huhn als solchem wird gemeinhin nicht erwartet, dass es viel nachdenkt und daraufhin Erhellendes gackert, dies obliegt eher Gesundheitsexperten mit sprechenden Namen wie Lauterbach oder Rummenigge. Aus der Sicht des Huhns sind diese intellektuellen Defizite vermutlich ein Vorteil, da sie zu beneidenswerter Unbeschwertheit gereichen. So gibt es in ganz Bayern kein einziges Huhn, das befürchten muss, bei einem raffiniert eingefädelten Masken-Deal aufzufliegen, wie das gerade Ex-Abgeordneten mit sprechenden Namen wie Nüßlein widerfährt.

Aus der Sicht des Weintrinkers hat das Huhn neben seiner seelisch-moralischen Überlegenheit einen weiteren Vorteil: Man kann es als Brathendl zubereiten und einen Rosso vom Weingut Tiberio dazu trinken. Beispielsweise den Tiberio di Tiberio 2016 (R23, € 15,00) oder den sortenreinen Sangiovese (R19, € 8,80), der nach einer kurzen, aber unangenehmen Zwangspause in Kürze wieder in beruhigenden Mengen vorrätig sein wird (jetzt Jahrgang 2017).

Kulinarische Wertschätzung verdient übrigens nicht nur das Brathendl, sondern auch das Suppenhuhn, das vielfach völlig zu Unrecht als Gummiadler diffamiert wird. Um dies zu untermauern, haben wir ein Rezept ersonnen, in dem das Suppenhuhn mit Bayerischem Reis und Rosenkohl oder Mangold kombiniert wird. Zu diesem Gericht passen kräftige Weißweine wie zum Beispiel der Silvaner Sonnenstuhl Spätlese 2018 (W68, € 10,80) von den Trockenen Schmitts oder der gerade eingetroffene Grüne Veltliner Moosburgerin 2019 (W33, € 11,40) vom Weingut Winkler.

Wieder erhältlich sind erfreulicherweise auch der Silvaner in der Literflasche (W65, € 8,00) und der Zwetschgenbrand (B1, € 16,80) unserer fränkischen Freunde aus Randersacker. Für Letzteren müssen wir nicht extra ein Gericht erfinden, die Corona-Krise reicht als Vorwand, um sich regelmäßig nach dem ARD-Brennpunkt ein oder mehrere Stamperl davon zu Gemüte zu führen. Apropos Brennpunkt: Aufgrund eines abgesagten Ruhetags liefern wir auch am Gründonnerstag aus und hoffen damit einer übertrieben nüchternen Gestaltung der Ostertage entgegenzuwirken.

Februar 2021
Trojanischer Wein aus Apulien, feinstes Olivenöl aus der Toskana

Ettore von Elda Cantine

Der Nero di Troia ist eine faszinierende Rebsorte, die ihre Existenz turbulenten Geschehnissen in grauer Vorzeit verdankt. So begab es sich, dass der Grieche Diomedes, nachdem er sich im Trojanischen Krieg als Insasse eines hölzernen Pferdes verdient gemacht hatte, bei seiner Rückkehr nach Hause eine böse Überraschung erlebte: Seine Gemahlin war ihm nicht nur untreu geworden, sondern trachtete ihm allen Ernstes mit Gift nach dem Leben. Auf der heldenhaften Flucht vor der bösartigen Frau verschlug es Diomedes aufgrund eines klimabedingten Sturms an die apulische Küste. Da ein pfiffiger Grieche immer auf Nummer sicher geht, hatte er Rebschösslinge aus Troja dabei und begründete auf diese Weise den Anbau des Nero di Troia in Apulien. Dass all dies sich genau so zugetragen hat, würde höchstens die Lügenpresse bestreiten.

Unser neues Partner-Weingut, die Elda Cantine, produziert zwei Rotweine aus 100% Nero di Troia, einerseits den klassisch ausgebauten Il Primo 2017 (R90, € 9,00) und andererseits den Ettore 2016 (R91, € 18,00), der 12 Monate im Eichenholz reift und aufgrund seiner kraftstrotzenden Statur verdientermaßen den Namen des trojanischen Helden Hector trägt. Das Weingut hat seinen Sitz übrigens auch in Troia, allerdings nicht im antiken Troja, um dessen Verortung im Nordwesten der Türkei sich immer noch die Archäologen zanken, sondern im apulischen Troia in der Provinz Foggia.

Ergänzt wird das Rotwein-Angebot der Elda Cantine von einem Primitivo, dem Garbino 2018 (R92, € 9,00), und einem Negroamaro, dem Contralto 2018 (R93, € 9,00), beide absolut trocken und gradlinig, was man zumindest beim heutzutage notorisch von marmeladiger Süße entstellten Primitivo dazusagen muss. Dazu gesellen sich zwei exzellent gemachte und spannende Weißweine aus den wenig bekannten Rebsorten Bombino Bianco und Falanghina (kriegerisch übersetzt: Weißes Bömbchen bzw. kleine Phalanx). Die Calandra 2019 (W20, € 8,00) gefällt durch dezente Röstaromen während die Elis 2019 (W21, € 8,20) mit exotischer Frucht und erfrischender Säure besticht.

Unsere toskanischen Olivenöle haben es nun endlich über den Brenner geschafft. Oleum, Margrille und Olivolo 2020 sind vom Feinsten und werden garantiert jede Küche bereichern. Auf unserer Rezepte-Seite haben wir zudem ein weiteres von Martin kreiertes Risotto mit Roten Rüben und Kastanien ergänzt, das ordentlich Farbe in die vom Lockdown verschärfte Winter-Tristesse bringt.

Dezember 2020
Ende der Ölkrise

Golia vom Conventino

Nur, wenn etwas ein Glump ist, muss man Werbung dafür machen, ansonsten verkauft es sich von selbst, behauptet die Kabarettistin Martina Schwarzmann und lehnt aus diesem Grund sämtliche Werbeangebote ab. Schade, dabei gäbe es einen Haufen Schmarrn, für den man dringend die Werbetrommel rühren müsste. Zum Beispiel das neue Kitschimed Reizhirn Pro. Seit ich das nehme, sind meine Prügelanfälle - wie weg! Eine Sonderedition für Wutbürger zur Weihnachtszeit. Aber wenden wir uns lieber Produkten zu, die nachweislich kein Glump sind.

Die u.a. von Slowfood Italien prämierten Olivenöle des Conventino di Montecciardo aus den Marken verkaufen sich in der Tat von selbst – allerdings nur dann, wenn sie nicht gerade ausverkauft sind. Deshalb streuen wir an dieser Stelle die Nachricht, dass der neue 2020er Jahrgang frisch bei uns eingetroffen ist. Dank einer hervorragenden Ernte gibt es die biologisch produzierten sortenreinen Olivenöle Frà Pasquale und Frà Giocondo nicht nur in Halbliterflaschen (€ 15,80), sondern auch wieder in 0,75-Liter-Flaschen und 3-Liter-Bag-in-Box (O3, O4, € 21,50 bzw. € 59,00), ebenso wie das bewährte Frà Evaristo (O2, € 17,80 bzw. € 51,50).

Bei den Weinen des Conventino haben wir zwei Neuzugänge und einen Wiederda zu vermelden. Der biologisch zertifizierte Famoso nel Convento 2019 (W52, € 10,80) ist ein nicht zu schwerer, fruchtiger Weißwein, der aus der kaum bekannten und raren Rebsorte Famoso gewonnen wird. Der Golia 2015 (R63, € 22,00) ist ein sortenreiner Sangiovese, der 30 Monate in Barriques in zweiter Belegung reift, nicht filtriert und nur minimal geschwefelt wird. Dieser absolut trinkreife und perfekte Rosso trägt zurecht den Namen des biblischen Riesen Goliath! Wieder erhältlich ist der Cardomagno Colli Pesaresi Sangiovese DOC, ebenfalls aus dem hervorragenden Jahrgang 2015 (R62, € 18,50).

Gute Nachrichten gibt es für die Freunde der Kitzmüller-Weine aus Friaul. Wir haben die Restbestände im Weingut geplündert und können nun wieder beide Friulano (Corte Marie und Collio) anbieten. Zum Schluss noch ein kleiner Ausblick: In Kürze wird das apulische Weingut Elda Cantine unser Sortiment um 4 Rotweine (u. a. Nero di Troia und Primitivo) und 2 Weißweine bereichern. Zum Kennenlernen bieten sich 6er-Probierkisten an. Einzelheiten dazu folgen im Januar-Newsletter und zeitnah auf der Website.

November 2020
Lockdown-Risotto mit Vogerl-Wein

Incrocio Bruni von Terracruda

Letzte Woch haben wir uns vor der Sperrstund schnell noch ein Schnitzel einigstopft und eine Press-Halbe neigschütt, seit Montag gibt’s wieder Saures Lüngerl an Semmelknödel "to go" – so erodiert die bayerische Wirtshauskultur. Und da sich auch gestandene Bajuwaren nicht ausschließlich von Leberkässemmeln und Zwetschgendatschi ernähren können, bleibt letztlich nicht viel anderes übrig, als die Befriedigung kulinarischer Bedürfnisse wieder vorwiegend in die eigenen vier Wände zu verlegen. Das trifft nicht nur die Wirte hart, sondern auch jene, die von Beruf Gast geworden sind und eine tiefe geistige Leere verspüren, sobald sie die eigene Küche betreten.

Doch in herbstlich-trüben Corona-Zeiten ohne Wiesn und Christkindlmarkt kann es auch einem geübten Hobbykoch passieren, dass er ein wenig planlos durch den Lebensmittelmarkt irrt und dann zu Hause feststellt, dass die erworbenen Produkte ums Verrecken nicht zusammenpassen wollen. Die Lösung: ein Risotto! Ein von Martin ersonnenes Beispiel für so ein Zufalls-Risotto mit Wirsing und Räucherfisch haben wir auf unserer Rezepte-Seite online gestellt und hoffen damit frischen Wind in die unter Volllast dampfenden Lockdown-Küchen zu bringen.

Sowohl zum Ablöschen des angebratenen Reises als auch als Weinbegleitung zum Gericht eignet sich der kraftvolle Incrocio Bruni 2018 (W57, € 9,20) vom Weingut Terracruda/Marken. Falls dieser versehentlich schon während der Zubereitung ausgetrunken wurde, passt zum Risotto auch der feine und biologisch produzierte Poggio della Costa 2019 (W14, € 11,20) vom Weingut Sergio Mottura. Den haben wir nämlich – wie alle Stachelschwein-Weine – jetzt wieder auf Lager, z.B. auch die beliebten roten und weißen "Bomben" im 3-Liter-Schlauch (R8 bzw. W16, € 20,00). Eine besondere Empfehlung verdient der Nenfro 2014 (R10, € 19,50), ein sortenreiner, inzwischen wunderbar gereifter Montepulciano von Sergio Mottura, der sich beispielsweise hervorragend mit gebratenem Federvieh versteht.

Wer auf unserer Website nach Olivenöl fahndet und dort auf eine handfeste Ölkrise stößt, der sei schon jetzt darauf hingewiesen, dass Ende November/Anfang Dezember die frisch produzierten Olivenöle aus den Marken eintreffen. Dort endet gerade die Olivenernte und Andrea Bernardini vom Landgut Conventino hat uns einen sowohl qualitativ als auch quantitativ exzellenten Jahrgang versprochen. Einzelheiten dazu folgen im Dezember-Newsletter.

Juni 2020
Wumms!

Scapestro von Buccelletti

Minutensteaks von der armen Sau kosten neuerdings statt 6,86 nur noch 6,73 das Kilo. Warum? Na wegen dem Lidl-Wumms! Die Billigheimer haben dem Bundesfinanzminister die Kompetenzen und das Vokabular geklaut, um einen peinlichen Preis noch ein bisschen peinlicher zu gestalten und die neuen Kampfpreise als vorzeitige Senkung der Mehrwertsteuer zu vermarkten. Respekt! In Zeiten, in denen selbst den mächtigsten Fleischbaronen ihre Billigschnitzel um die Ohren fliegen, muss man sich sowas erst einmal trauen.

Dabei hat es der Olaf doch nur gut gemeint, als er seinen Mehrwertsteuer-Wumms mit einer Miene verkündet hat, aus der eine klare Botschaft sprach: Wer jetzt nicht auf Teufel komm raus konsumiert, der versündigt sich an der Zukunft unserer blühenden Landschaften. Als Händler begrüßen wir es uneingeschränkt, wenn sich die Kundschaft ab 1. Juli moralisch verpflichtet fühlt, im Sinne des Aufschwungs das ein oder andere Fläschchen mehr zu vernichten. Wir bitten allerdings um Verständnis dafür, dass wir uns vor der Sträflingsarbeit drücken, das ganze Sortiment für sechs Monate neu auszupreisen. Stattdessen geben wir die Mehrwertsteuersenkung durch einen generellen Rabatt auf den Rechnungen weiter.

So kommt es, dass zum Beispiel der hervorragende Sauvignon Blanc 2019 (Bestell-Nr. W46) vom Weingut Schödl, den wir für € 9,80 anbieten, ab 1. Juli für € 9,56 – also quasi nachgeschmissen - über den Ladentisch geht. Besonders empfehlen möchten wir einen Neuling im Sortiment, den Grünen Veltliner Blumenthal DAC 2019 (W42, € 10,20), der seine feinen Apfel- und Birnenaromen mit einem saftigen Weinviertler Pfefferl garniert. Wie alle 2019er Weine vom Weingut Schödl trägt er erstmals das EU-Bio-Siegel.

Ein Sommer ohne Vermentino ist möglich, aber lausig. Deswegen haben wir im toskanischen Chio-Tal ein Palettchen nachgeordert und jetzt wieder den exzellenten Weißwein Scapestro IGT Toscana Vermentino 2018 (W50, € 14,00) vom Weingut Buccelletti auf Lager. Für ebenso unverzichtbar halten wir zwei Rotweine aus dem besagten Tal: den Arrone Toscana IGT 2018 (R16, € 12,00) von Buccelletti sowie den Zoccoli Toscana IGT 2018 (R24, € 10,00) vom Weingut Santo Stefano. Diese beiden nach Chianti-Art hergestellten Rossos sind herausragend gelungen und deshalb eine Extra-Empfehlung wert!

Mai 2020
Friulano statt Tegernseer

Friulano Corte Marie Kitzmüller

Dem Triebel Hans, seines Zeichens urbayerischer Wirt der Gotzinger Trommel im Mangfalltal, fällt jedes Mal das Tablett aus der Hand, wenn jemand in seinem Wirtshaus tschüß statt pfiatdi sagt. Aus diesem Grund hat er vor Jahren Verbotsschilder aufgehängt, die sein Heimatdorf zur tschüß-freien Zone erklären. Mein Münchner Getränkehändler, dem ich alles abkaufe außer seinem Wein, hat sich dies zum Vorbild genommen und seinen Laden Ende März kurzerhand zur Corona-freien Zone erklärt. Es ist eben zutiefst bayerisch, an die Kraft des Irrationalen zu glauben.

In diesem Geiste verfügen wir hiermit, dass Bayern nicht mehr am Tegernsee liegt. Warum? Weil der Bürgermeister der gleichnamigen, übrigens von tiefer Armut bedrohten Ortschaft mit dem Charme eines Leberkäses im Trachtenjanker verkündet hat, dass er nicht wisse, wer in Zeiten von Corona den Dreck hinter den Münchnern wegräumen soll. Wir sind gespannt, wie lange der Herr Bürgermeister und seine Talkollegen es durchhalten, das Tegernseer Bräustüberl allein leerzusaufen. Uns kann es wurscht sein, weil wir gerade vier Paletten Wein aus Friaul bekommen haben und uns durchaus imstande sehen, die Münchner Bevölkerung im Verbund mit der Giesinger Brauerei über den ganzen Sommer mit Alternativen zu versorgen.

Da wäre zum Beispiel der exzellente Friulano Corte Marie 2019 (Bestell-Nr. W6, € 8,40) von Thomas Kitzmüller, der seine Weine übrigens zum ersten Mal gemäß den strengen Richtlinien biologischer Landwirtschaft hergestellt hat. Auch unsere anderen Weine aus Friaul sind jetzt wieder auf Lager, so zum Beispiel passend zur einsetzenden Holunderblüte der Sauvignon Blanc Collio 2019 (W11, € 11,80) und der Traminer Aromatico Collio 2019 (W8, € 12,80) von Kitzmüller. Außerdem der seit über 15 Jahren bewährte Merlot IGT 2019 (R1, € 7,20) vom Weingut Riz.

Neu im Sortiment ist der Cabernet Franc Collio 2019 (R6, € 12,00) von Kitzmüller, ein Schmankerl für die Freunde dieses würzigen Rosso, den wir bisher nur in der etwas leichteren Version Corte Marie angeboten hatten. Sehr zu empfehlen ist auch der Chardonnay IGT 2019 (W3, € 7,20) vom Weingut Riz, der diesmal ganz besonders gelungen ist.

Einen weiteren Neuzugang vermelden wir vom Weingut Winkler aus dem Kremstal: Der Grüne Veltliner Gebling 2019 (W39, € 10,90) ist ein auch vom Jahrgang begünstigter grandioser Lagenveltliner, den Erwin Winkler zum ersten Mal produziert hat. Der Konglomerat- und Lössboden der Riede Gebling verleiht ihm eine einzigartige Mineralität, die seinen reifen Birnenaromen vortrefflich unterlegt.

April 2020
Favorosa, ein "semiorange" Wein aus Piemont

Favorosa

Viele Menschen treibt derzeit die Frage um, wie man die zum Wucherpreis erstandene oder selbstgenähte Gesichtsmaske am besten von Viren säubert, die sich möglicherweise darauf tummeln. Reinigen in der Kochwäsche ist in Singlehaushalten wenig praktikabel, deshalb wird mitunter auch gnadenloses Bügeln oder eine Behandlung in der Mikrowelle, im Gefrierschrank oder im Backofen mit Grillfunktion empfohlen. Aus dem fränkischen Darknet stammt der Ratschlag, die Maske beim Tragen von Zeit zu Zeit zu lüften, sich ein großes Stamperl Zwetschgenbrand hinter die Binde zu gießen und sodann die Mikroben durch beherztes Exhalieren in den Stoff zu bekämpfen. Davon ist dringend abzuraten, weil es den Viren nicht im Mindesten schadet. Den ausgezeichneten fränkischen Zwetschgenbrand (Bestellnr. B1, € 16,80) von den Trockenen Schmitts können wir trotzdem wärmstens empfehlen.

Der Ansatz, Corona mit Barolo oder Sangiovese auszuschwemmen, ist sicherlich nicht hundertprozentig vernunftgesteuert. Aber es hilft unseren gebeutelten Freunden in Italien. Deshalb ordern wir von dort gerade eine Palette nach der anderen und hoffen, dass die Stammkundschaft irgendwie damit klarkommt. Gerade eingetroffen ist eine größere Charge vom Weingut La Biòca aus Piemont. Empfohlen seien einige neue Jahrgänge: der fruchtige Ariss Roero Arneis DOCG 2018 (W60, € 9,40), etwas leichter und frischer als die 2017er Version; der wunderbar duftige Ricciaia Dolcetto d'Alba DOC Superiore 2017 (R86, € 9,80); sowie der großartige Barolo Aculei DOCG 2015 (R82, € 28,00), der schon relativ reif ist, aber zumindest zum Großteil noch für das ein oder andere Jährchen in den privaten Keller eingepflegt werden sollte.

Eine hübsche Geschichte rankt sich um einen Weißwein von La Biòca, den Favorosa Langhe DOC Favorita 2017 (Best.-Nr. 61, € 12,20). Die Rebsorte ist der Vermentino, aber in der an Extrawürsten reichen Regionalsprache des Piemont heißt sie Favorita. Der Wein selbst wiederum heißt Favorosa, und das kommt so: König Viktor Emmanuel II. hatte eine Favoritin, mit der er nach dem Tod seiner ersten Frau eine standeswidrige Ehe schloss. Man nannte sie La Bela Rosìn. Der König schenkte seiner "schönen Rosa" ein großes Landgut in der Gemeinde Serralunga d’Alba, und just auf diesem Gelände befindet sich nun der Weinkeller von La Biòca. Auf dem Etikett des Favorosa prangen zwei pralle Favorita-Trauben. Ein wenig erinnern sie auch an ein special Feature der Bela Rosìn, das der König dem Vernehmen nach sehr zu schätzen wusste. Das Besondere an diesem Wein ist natürlich nicht das Gspusi des Königs, sondern die raffinierte Vinifikation als semiorange Wein.

Speziell fürs Home-Office empfehlen wir den preiswerten Silvaner in der Literflasche vom Weingut Trockene Schmitts (W65, € 7,90). Daraus lässt sich eine feine fränkische Schorle herstellen, die einerseits die Arbeitsmoral hebt und andererseits auch bei Videokonferenzen keinen nennenswerten Verdacht erregt. Es schadet auch nichts, nach Feierabend beim Silvaner picken zu bleiben und ihn dann ohne Spritzung aus einem anständigen Weinglas zu Ende zu trinken.

März 2020
Koa Corona

Cabernet Sauvignon

Es gibt kein Klopapier mehr im Supermarkt, dafür jede Menge Corona-Bier. Dass ein mit Reis und Mais kontaminiertes Konzern-Gebräu zum Ladenhüter und Gespött in den sozialen Netzwerken mutiert, kann man verschmerzen. Aber sonst geht es schon eher ans Eingemachte. Wir wollen hier trotzdem mit ein paar guten Nachrichten Optimismus verbreiten.

Obwohl die für vergangenes Wochenende geplante Münchner Weinmesse Vinessio dem Virus zum Opfer fiel, sind Max und Ronald Köller aus dem Burgenland nach München gedüst und haben uns den ausgezeichneten, in Barrique-Fässern gereiften Cabernet Sauvignon Ganessler 2017 (R40, € 10,80) mitgebracht – ein würdiger Nachfolger des 2015er Cabernet, der schon länger ausverkauft war. Zu verdanken haben wir diese Lieferung dem höchstens mittelgut durchdachten Krisenmanagement der Münchner Behörden, die das zwischen Kulturveranstaltung und Besäufnis mäandernde Wein-Event exakt 2 Stunden und 44 Minuten vor der Eröffnung abgesagt haben, als die Aussteller bereits in oder kurz vor München waren.

Normalerweise ist es sicher kein guter Plan, fehlende Sozialkontakte durch Alkohol zu ersetzen. Doch angesichts dessen, dass wir nicht freiwillig, sondern auf Anraten der Bundeskanzlerin in die Vereinsamung driften, darf man da vielleicht mal eine Ausnahme machen. Zu den schärfsten Waffen gegen den heraufziehenden Corona-Blues gehört sicher der Sangiovese 2016 vom Weingut Tiberio (R19, € 8,80). Auch die übrigen Rotweine mit dem roten T auf dem Etikett sind jetzt alle wieder auf Lager, so zum Beispiel die Malvasia Nera 2016 (R20, € 14,00) und der Canaiolo 2016 (R21, € 14,00), beide wieder von herausragender Qualität. Angesichts drohender Quarantäne-Maßnahmen raten wir völlig uneigennützig zu Hamsterkäufen.

Aufgrund der sich stündlich verdüsternden Nachrichtenlage sieht es ganz so aus, als müssten wir unsere Weinproben in den nächsten Wochen ohne Publikum bestreiten, als Geisterweinproben, wenn man so will. Wir informieren zeitnah.

Januar 2020
Perlen aus der Toskana

Arrone

Als wir im vergangenen Oktober beim Weingut Buccelletti in der Toskana weilten, fiel uns auf, dass im einsam-idyllischen Chio-Tal nicht wie sonst üblich hauptsächlich Wildschweine und Römer umherstreiften, sondern auch ein paar Amerikaner. Als wir solcherlei verirrte Überseeler anlässlich eines mittäglichen Gelages im Weingut nach ihren Motiven befragten, behaupteten diese, sie seien auf der Flucht vor Donald Trump. Fake News!, dachten wir bei uns, als wir beobachten durften, wie die betuchten US-Pensionäre über die von den Buccellettis aufgetischten Leckereien herfielen und sie mit den Perlen toskanischer Weinkultur ebenso plan- wie pietätlos hinunterspülten.

Die Weine aus dem Chio-Tal sind in der Tat ein triftiger Grund, der präsidialen Zwitscherdüse den Rücken zu kehren, um sich mit ruinierter CO2-Bilanz auf einen gepflegten Rausch in die Toskana abzusetzen. Besonders angetan hat es uns in diesem Jahr der Arrone IGT Toscana 2018 (Bestell-Nr. R16, € 12,00), den die Buccellettis unter Mitwirkung eines neuen Önologen gleichsam neu erfunden haben: ein für seine Jugend äußerst geschmeidiger und trinkreifer Rosso, dem perfekt gereifte Sangiovese- und Canaiolo-Trauben eine beeindruckende Dichte und Ausgewogenheit verleihen.

Neu im Sortiment ist der Scapestro IGT Toscana 2018 (W50, € 14,00), mit dem das Weingut Buccelletti seinem Portfolio einen erstklassigen Weißwein hinzugefügt hat. Gekeltert wird er zu 100% aus Vermentino-Trauben, die auch im Chio-Tal prächtig gedeihen und einen körperreichen Wein mit feinem Pfirsicharoma ergeben.

Frisch eingetroffen ist nun auch die neue Ernte unserer toskanischen, biologisch zertifizierten Olivenöle: Das Oleum gibt es in diesem Jahr in der 0,75-Liter-Flasche (O1, € 17,80), das aus innovativen Olivenkulturen gewonnene Magrille in der 0,5-Liter-Flasche (O5-a, € 14,00) und im 3-Liter-Kanister (O5-b, € 55,00).

Dezember 2019
Stade Zeit

Zweigelt Reserve

Niemand wird bestreiten, dass die besinnliche Adventszeit alljährlich von niederschmetternder Düsternis und apokalyptischer Hektik überschattet wird. Doch auch im Dezember gibt es Lichtblicke! Denn es stimmt doch: Der Nikolaus war noch nie ein Osterhase, und wenn die stade Zeit erst vorbei ist, wird’s bestimmt wieder ruhiger. Solch bahnbrechende Erkenntnisse von Uli Hoeneß bis Karl Valentin helfen über vorweihnachtliche Depressionen hinweg.

Eine Wohltat auch die Stille, die auf einmal entsteht, wenn die brüllenden Laubbläser bösartiger Hausmeister zum Winteranfang endlich verstummen und ihre nicht minder monströsen Schneefräsen wegen des Klimawandels lautlos in den Garagen verrosten. Und dann gibt’s ja am Jahresende auch noch frisch abgefülltes Olivenöl – grüne Farbtupfer im frühwinterlichen Grau-in-Grau. Ein paar Spritzer davon hübsch über hauchdünnen Parmaschinken geträufelt – und schon sieht die Welt wieder viel freundlicher aus.

Und damit sind wir auch schon bei den Neuigkeiten: Die 2019er Ernte des Olivenöls vom Landgut Conventino di Monteccicardo ist seit Kurzem auf Lager. Das Frà Evaristo gibt es wie im Vorjahr in 0,75 Literflaschen (O2-a, € 17,80) und 3-Liter-Bag-in-Box (O2-b, € 52,50). Die biologisch zertifizierten und sortenreinen Öle Frà Pasquale (O3) und Frà Giocondo (O4) sind in 0,5 Liter-Flaschen (€ 15,80) und für Vielverbraucher in der 5-Liter-Bag-in-Box (€ 99,00) verfügbar. Die 2019er Olivenöle unserer toskanischen Lieferanten Buccelletti und St. Stefano werden im Laufe des Januars bei uns eintreffen.

Vom Weingut Schödl haben wir jetzt endlich wieder einen schönen Zweigelt Reserve 2017 (R51, € 11,80) im Angebot. Für festliche Braten empfehlen wir heuer den aus Sangiovese und Syrah gekelterten Poventa 2015 (R17, € 15,00) von der Famiglia Buccelletti oder den biologisch zertifizierten Nenfro 2014 (R10, € 16,80), einen kraftvollen Montepulciano vom Weingut Mottura.

August 2019
Neuburger Felicitas

Neuburger Felicitas vom Weingut Winkler

Während die Frankenweine aus Randersacker mit dem Wapperl Ewig Leben um die Gunst der Kundschaft buhlen, verspricht unsere neueste Errungenschaft aus dem Kremstal nicht weniger als Glücksseligkeit. Und das ist höchstens ein bisserl übertrieben, denn der Weißwein Neuburger Felicitas 2018 (W36, € 8,50) vom Weingut Winkler ist ein Meisterwerk. Er verbindet feine Fruchtaromen reifer Birnen mit einem geschmeidig-nussigen Abgang bei moderatem Alkohol- und Säuregehalt.

Um die Herkunft der bei uns kaum bekannten Rebsorte Neuburger ranken sich Legenden. Angeblich haben die Weinhauer Franz Machherndl und Christoph Ferstl im Jahre 1850 in der Wachau ein Rebbündel dieses Weins aus der Donau gefischt. In der Folge wurde die Rebe in Spitz an der Donau auf dem Burgberg ausgepflanzt – daher der Name Neuburger. Den Burgberg nennt der Volksmund Tausendeimerberg, da er in guten Jahren 1000 Eimer, also 56.000 Liter Wein erbracht haben soll. Die vielen Eimer werden heutzutage übrigens nicht mehr als Weingefäß, sondern für die Schmutzkübelkampagnen im österreichischen Wahlkampf verwendet.

Apropos Schmutzkübelkampagne: In der nahe dem Tausendeimerberg gelegenen Burgruine spukt immer noch der Geist einer gewissen Adelheid herum und lästert über ihren Ex. Dieser, Heinrich der Eiserne, hatte sich nach ihrem Ableben nicht um das gebotene Trauerjahr geschert und sofort eine neue Frau geehelicht. Zur Strafe hatte er nicht lange Freude an ihr und biss kurz darauf selbst ins Gras. Nun aber genug der Legenden.

Fest steht, dass der Neuburger aus einer Kreuzung der urösterreichischen Sorten Roter Veltliner und Silvaner hervorging und seither die Winzer mit allerlei Allüren nervt. So neigt er zur Kurztriebigkeit und ist ziemlich anfällig für die Grauschimmelfäule. Die Quittung ist ein stetiger Rückgang der Anbaufläche. Doch Winzer wie Erwin Winkler, die den immensen Pflegeaufwand nicht scheuen und mit den Marotten des Neuburgers umzugehen wissen, werden mit einem äußerst eleganten, an Burgundersorten erinnernden Weißwein belohnt.

Zum Schluss möchten wir noch zwei sommertaugliche Weißweine empfehlen, die ob ihrer Süffigkeit eine Rückbesinnung auf das oben erwähnte Eimer-Maß zumindest als überdenkenswert erscheinen lassen: den Welschriesling 2018 (W49, € 7,20) vom Weingut Schödl und den Boccalino DOC 2018 (W55, € 7,50) vom Weingut Terracruda.

Juni 2019
Franken, wollt ihr Ewig Leben?

Sauvignon Blanc vom Weingut Trockene Schmitts

Ewig Leben – wer will das schon? Nüchtern betrachtet: niemand. Denn das zieht sich ja endlos, vor allem am Schluss. Andererseits: Wer betrachtet schon nüchtern? Allein der Gedanke, ewig Wein trinken zu dürfen, verklärt eine mutmaßlich unerträgliche Monotonie zum paradiesischen Zustand. Das haben sich bestimmt auch die pfiffigen Randersackerer Winzer gedacht, als sie den Begriff "zum ewigen Lehen" durch den sprachlichen Fleischwolf drehten und ihre Großlage "Ewig Leben" tauften.

Silvaner Ewig Leben, ein Wein, der ewiges Leben verleiht! Gewiss wäre es fahrlässig, in diesem Zusammenhang von der konservierenden Wirkung des Alkohols zu schwadronieren. Das würde die staatlichen Stellen für Suchtprävention auf den Plan rufen. Es geht ja auch gar nicht ums Konservieren, sondern lediglich um den Genuss eines köstlichen Weins, garniert mit einem Schuss Sehnsucht nach Unsterblichkeit.

Vor Kurzem haben wir die Trockenen Schmitts in Randersacker besucht und vor allem die berühmten Steillagen Pfülben, Marsberg und Sonnenstuhl eingehend besichtigt. Einen kleinen Fotobericht mit Impressionen haben wir auf unserer Website in der Rubrik „Vinum & Oleum auf Tour“ online gestellt. Die obligatorische Degustation vor Ort hat zwei weitere Weine in unser Sortiment befördert.

Der Silvaner-Riege aus dem Hause Trockene Schmitts haben wir jetzt noch ein rare Spezialität hinzugefügt: den Blauen Silvaner Ewig Leben 2018 (W67, € 8,50). Seine Trauben sind durch Mutation blau, ergeben jedoch einen klassischen weißen Silvaner von erlesener Qualität. Der zweite Neue ist der Sauvignon Blanc Ewig Leben 2018 (W71, € 10,80), der uns im Duft an seinen friulanischen Bruder von Thomas Kitzmüller erinnert, aber vielleicht eine Spur schlanker ausfällt und mit knackiger Säure besticht. Besonders empfehlen möchten wir den großartigen Riesling Pfülben 2016 (W70, € 12,20) und – für heiße Sommertage – den preiswerten Silvaner in der Literflasche 2017/18 (W65, € 7,90), der leicht gespritzt auch als feiner Durstlöscher taugt.

Mai 2019
Traminer Aromatico von Kitzmüller – Holunderrausch für Puristen

Traminer Aromatico von Kitzmüller

In wenigen Wochen ist es wieder so weit, dann öffnen sich die Blütenschirme des Schwarzen Holunders und tauchen die Stadt in einen wohlig benebelnden süßlichen Duft. Beseelt von dem Wunsch, dieser kurzlebige Rausch möge nie enden, kippt sich der Holunderfreund im Sommer einen Hugo nach dem anderen hinter die Binde. Schon vor der Erfindung dieses hippen Modetrunks erzielten unsere österreichischen Nachbarn mit dem Genuss des Kaiser G’spritzten denselben Effekt. Der Nachteil dieser grundsätzlich förderlichen Gepflogenheiten besteht darin, dass der zum Aromatisieren verwendete Holunderblütensirup fast ausschließlich aus Zucker besteht, was schon bei geringer Überdosierung mitunter zu verheerenden Kopfschmerzen führt.

Den potenziell Leidenden und allen Puristen, die das Schütteln und Rühren flüssiger Ingredienzien für Teufelswerk oder geringstenfalls für schädliches Gepantsche halten, gibt Thomas Kitzmüller eine wundervolle Alternative an die Hand, für die man weder Sirup noch Holunderblüten braucht: den Traminer Aromatico Collio DOC (Bestell-Nr. W8, € 12,50) – einen trockenen Weißwein, der an Dichte, Wucht und Aroma seinesgleichen sucht. In dieselbe Kerbe schlägt der Sauvignon Blanc Collio (W11, € 11,50), von dem uns das ertragreiche Weinjahr 2018 mit einer etwas größeren Menge beschenkt hat als in den Vorjahren.

Wieder erhältlich sind nun auch wieder die meisten anderen Weine unserer friulanischen Partnerweingüter Kitzmüller und Riz. Besonders empfohlen seien der sehr fruchtig und harmonisch geratene Friulano Corte Marie DOC 2018 (W6, € 8,20) von Thomas Kitzmüller und der in diesem Jahr wieder sehr weiche und körperreiche Merlot IGT 2018 (R1, € 7,20) vom Weingut Riz.

April 2019
Bio-Bomben von Sergio Mottura

Poggio della Costa von Mottura

Der Transport von Wein in Tierhäuten ist mittlerweile ein wenig aus der Mode gekommen. Dafür erlebt die moderne Form des Weinschlauchs, die sogenannte Bag-in-Box oder BiB, in den letzten Jahren einen Aufschwung, da immer mehr Weinbauern sich dazu entschließen, qualitativ hochwertige Weine in die vergleichsweise umweltfreundlichen und preisgünstigen Schläuche zu füllen.

Durch die extrem praktische Zapfvorrichtung und die Intransparenz des Schutzkartons birgt der Weinschlauch zudem die Möglichkeit, völlig unbemerkt und bequem die Kontrolle über den Konsum zu verlieren. Ob man diesen Umstand als Chance oder Gefahr begreift, sei dahingestellt. Wir als Händler nehmen hier in Zeiten grassierender Shitstorms eine strikt neutrale Haltung ein und erinnern warnend an den römischen Legionär Keinentschluss, der während seines Dienstes in Cäsars Armee stets die Nähe von Schläuchen und Amphoren suchte und es auf diese Weise hinbekam, in 20 Jahren keinen einzigen Tag nüchtern zu sein.

Die feinen Stachelschwein-Weine von Sergio Mottura gibt es jetzt wieder als Lazio Rosso oder Bianco in der 3-Liter-Bag-in-Box (Best-Nr. R8 bzw. W16, je € 20,00). Außerdem empfehlen wir wärmstens die beiden weißen Klassiker des streng biologisch wirtschaftenden Weinguts: Für den 2017er Jahrgang des sortenreinen Poggio della Costa (W14, € 11,20) ist der Meister des Grechetto zum wiederholten Male mit 3 Gläsern im Gambero Rosso ausgezeichnet worden. Der überwiegend aus Grechetto- und Procanico-Trauben gewonnene Orvieto Tragugnano DOC 2018 (W13, € 9,50) verdankt seine besondere Raffinesse einem kleinen Anteil Sauvignon Blanc.

März 2019
Frühlingströpferln vom Weingut Terracruda

Boccalino von Terracruda

Der Bianchello del Metauro ist ein Weißwein aus den italienischen Marken, der in oberbayerischen Breiten keine messbare Bekanntheit genießt. In einem Landstrich, dessen Bevölkerung sich überwiegend von Leberkäs-Krapfen und Bier ernährt, ist das auch nicht weiter tragisch. Doch selbst beim Bussi-Bussi-Italiener am Viktualienmarkt wird man möglicherweise vergeblich nach einem Bianchello fragen. Viele Kunden von Vinum & Oleum sind da klar im Vorteil. Sie schätzen diesen blumig duftenden Weißwein, dessen unwiderstehliche Süffigkeit im Jahre 207 v. Chr. den karthagischen Heerführer Hasdrubal den Kopf kostete.

Eine leichtfüßige Version des Bianchello, der frisch gefüllte Boccalino DOC 2018 (Bestell-Nr. W55, € 7,50), ist gerade rechtzeitig zur warmen Jahreszeit in unserem Lager eingetroffen. Um einen ärgerlichen Versorgungsnotstand wie im vergangenen Sommer zu vermeiden, haben wir diesmal so erhebliche Mengen geordert, dass man damit mühelos ein karthagisches Heer außer Gefecht setzen könnte.

Neu im Sortiment ist der Spumante Brut Bianco (S8, € 12,50), der ebenfalls aus Bianchello-Trauben gewonnen wird. Die unverkennbaren florealen Aromen der Rebsorte und zarte Gebäcknoten zeichnen diese prickelnde Version des Bianchello aus. Wieder auf Lager ist nun auch der Vettina Pergola DOC 2017 (R73, € 8,50), ein feiner Rosso aus der Aleatico-Traube, der mit seinem Duft nach Veilchen Frühlingsgefühle weckt.

Januar 2019
Spitzenernte in der Toskana

Olivolo von Buccelletti

In Zeiten des Klimawandels hat man sich an Wetterkapriolen der übleren Sorte fast schon gewöhnt. Im Fernsehen gibt es dann trotzdem jedes Mal einen Brennpunkt, in dem Reporterinnen mit waagerechten Frisuren aus selbst geschaufelten Schneelöchern in die Winterlandschaft blinzeln oder zwischen Gebirgen aus Sandsäcken von Seenlandschaften berichten, die vorher noch nicht da waren. Auch an dieser Stelle gehört es seit Jahren zum Ritual, von den biblischen Plagen zu berichten, die den Wein- und Olivenbauern das Leben vermiesen. Massenvermehrung der Olivenfruchtfliege (2014), Hagelunwetter (2015), Spätfröste (2016), monatelange Dürre mit Temperaturen über 40°C (2017) usw.

Damit die Dauerberegnung mit Katastrophenszenarien nicht zu fad wird, halten wir heute mal mit folgender sensationellen Meldung dagegen: Die Toskana blickt auf einen mehr oder weniger normalen Sommer zurück. Für den Wein- und Olivenanbau herrschten sogar während des gesamten Jahres 2018 geradezu ideale Bedingungen. Entsprechend euphorisch äußerten sich die Produzenten über die neue Ernte: beim Wein exzellent, bei den Oliven nicht zu toppen.

Dank dieser glücklichen Umstände können wir heuer wieder das komplette Olivenöl-Sortiment unserer toskanischen Partner anbieten, also auch das Olivolo vom Frauenpower-Team Buccelletti (0,75 l, O6, € 20,00). Das Magrille, das letztes Jahr neu eingeführt wurde und großen Anklang fand, haben wir diesmal im 3-Liter-Kanister im Sortiment (O7, € 50,00). Das Oleum von Santo Stefano gibt es wie im Vorjahr in der 0,75-Liter-Flasche (O1-a, € 17,80) und im 3-Liter-Kanister (€ 54,00). Alle genannten Olivenöle sind biologisch zertifiziert und von exzellenter Qualität.

Im Zuge der Neujahrsvorsätze begonnene Phasen alkoholfreien Daseins sind rühmlich, aber auf Dauer doch irgendwie trostlos. Unsere Anregung zu deren Beendigung: Zwei zuletzt vergriffene Weine von Santo Stefano sind wieder erhältlich: Vom bewährten Zoccoli (R24, € 9,20) und vom Rosato Bocca di Rosa (R26, € 8,80) haben wir jetzt jeweils den Jahrgang 2017 im Verkauf – beide sehr empfehlenswert!

Dezember 2018
Wohlfühlen im Advent

Cardorosso vom Conventino

Nach einem Jahr, das wie üblich in immerwährender Mühsal und Selbstkasteiung vorbeigerauscht ist, möchte man wenigstens zur Adventszeit innehalten und sich etwas Gutes tun. Nur wie? Zum Glück gibt es auch für völlig abwegige Randbedürfnisse nützliche Ratgeber und so blättern wir auf der Suche nach einer Eingebung im Wohlfühl-Magazin der Süddeutschen Zeitung.

Unter der fetten Überschrift "Mit vereinten Säften" könnte man raffinierte Tipps für eine vorweihnachtliche Auffrischung des Paarungsverhaltens vermuten und wird dann doch mit einer Detox-Limo abgespeist, die Matcha und Spirulina-Algen (???) enthält. Auch der sofort ins Auge fallende Yoga Puff erweist sich bei näherem Hinsehen als handgestempeltes Baumwollkissen mit mutmaßlich überschaubarem Wohlfühlfaktor. Organic Cosmeceuticals versprechen uns unter dem Motto "Cremen statt Spritzen" eine sofort sichtbare Mimik-Glättung. Für den Morgen nach einem Besuch am Christkindlmarkt, der mit einer Überdosis Glühwein aus dem Ruder lief, ist das immerhin schon mal eine gute Idee.

Apropos Glühwein, ein Wohlfühl-Tipp aus unserem jüngeren Kundenkreis empfiehlt die Einnahme von Wodka mit Tabasco und Himbeersirup auf Ex. Möglicherweise müssen wir danach wieder cremen, und dennoch: Wir sind bereits auf dem richtigen Weg, der völlig überraschend pfeilgerade zum Wohlfühl-Sortiment von Vinum & Oleum führt.

Das piemontesische Weingut La Biòca versorgt uns neuerdings mit dem Rosso Ricciaia, einem feinen Dolcetto d’Alba DOC 2016 (Bestell-Nr. R86, € 9,40). Eine weitere Neuheit ist der Cyrogrillo, Langhe DOC Rossese Bianco 2017 (W62, € 9,80), ein kraftvoller Weißwein aus einer fast vergessenen Traube, der vor allem durch seinen ausgesprochen intensiven und lange anhaltenden Geschmack besticht.

Nach längerer Durststrecke gibt es nun endlich wieder einen ausgezeichneten Cardorosso DOC Sangiovese 2016 (R61, € 10,00) vom Weingut Conventino di Monteciccardo. Ebenfalls frisch eingetroffen ist die neue 2018er Ernte des erstklassigen Olivenöls des Conventino. Unsere toskanischen Olivenöle folgen dann wieder im Laufe des Januars.

Sollte Ihnen die völlige Abwesenheit von Geschenken kurz vor Weihnachten tiefe Sorgenfalten ins Gesicht treiben, empfehlen wir unbedingt cremen statt spritzen oder – noch besser – einen entspannten Blick in die Rubrik Geschenke auf unserer Website.

November 2018
Nachschub vom Weingut Tiberio

Sangiovese von Tiberio

Leben ohne Sangiovese ist schwer vorstellbar. Einzeller in einer alkoholfreien Ursuppe – möglich. Aber ein Florentinisches T-Bone-Steak ohne Sangiovese – absurd. Der Ursprung dieser urtoskanischen Rotweintraube verliert sich im Nebel der Geschichte. Behauptungen, schon die trinkfreudigen Römer hätten ihre glorreichen Siege über die Barbaren mit dem Blut des Jupiter (sangue di Giove) begossen, sind reine Spekulation. Dass der Sangiovese als Ursuppe der toskanischen Weinkultur das Wohlbefinden auf dem Planeten mehrt, ist dagegen empirisch bewiesen und markiert zweifellos einen echten Meilenstein in der Evolution.

Niemand bringt die Aromen dieser genialen Rebsorte unverfälschter zum Ausdruck als Enzo Nocentini vom Weingut Tiberio. Die Grundlagen für die herausragende Qualität seiner Weine sind eine bis ins Jahr 1831 zurückreichende Weinbautradition, strikte Ertragsbegrenzung, die akribische Auslese von Hand und der Verzicht auf Zuchthefen und Enzyme beim Keltern. Der Sangiovese IGP 2015 (€ 8,80, Best.-Nr. 19) profitiert zudem von den hervorragenden Bedingungen seines Jahrgangs.

Eine Neukreation des Weinguts ist der Tiberio di Tiberio IGP 2015 (€ 13,80, Best.-Nr. 23), der zu gleichen Teilen aus Sangiovese, Canaiolo und Malvasia Nera gewonnen wird. Sein außergewöhnlicher Geschmack erinnert Enzo Nocentini an die Weine von früher. Sein Rat: Dieser Wein hat auf dem Sofa nichts verloren, sondern sollte unbedingt zum Essen getrunken werden. Auch alle anderen Weine mit dem roten "T" auf dem Etikett haben wir jetzt wieder auf Lager: Malavasia Nera IGP 2015, Canaiolo IGP 2015 und Nocens IGP 2015 (je € 13,80, Best. Nr. 20-22).

Zuletzt sei noch auf einen Neuzugang bei den Bränden hingewiesen: Vom Weingut Trockene Schmitts beziehen wir jetzt einen typisch fränkischen Zwetschgenbrand (€ 16,80, Best. Nr. B1), der in der hauseigenen Brennerei hergestellt wird. Die dazu verwendeten Zwetschgen stammen aus eigenem Anbau.

Juni 2018
Gringo trinkt Greengo

Grüner Veltliner Greengo

Schon vor Jahren hatte mir der Winzer Mathias Schödl erzählt, dass er es leiwand fände, seinen Grünen Veltliner über dem Großen Teich zu verkaufen. Nicht zuletzt deshalb hatte er eine sommerliche Leichtbauversion desselben augenzwinkernd Greengo getauft. Dieser Wunsch ist nun wahr geworden. Bei einer Weinmesse in New York haben die Schödls einen Händler für ihren Greengo gefunden. Der Name ist ein Geschenk an die Sprachkultur und ermöglicht es den amerikanischen Kunden, den Wein, den sie lieben, nicht nur zu trinken, sondern auch unfallfrei auszusprechen und dabei Momente der Selbstfindung zu erleben.

Grüner Veltliner Greengo

Die zweite Geschichte rund um den Greengo 2017 (W40, € 6,90) rankt sich um das Wapperl auf der Flasche. Bei Weinproben von Vinum & Oleum hatten sich wiederholt tumultartige Szenen abgespielt, als es um die Bewertung des Etiketts mit dem grünen Chamäleon ging. Pfiffig und originell, lobten die einen, während sich die anderen über den hässlichen Lurch echauffierten und dem Greengo trotz seiner Klasse die Gefolgschaft verweigerten. Das gelinde gesagt durchwachsene Echo auf das schrille Design hat nun zu einer Überarbeitung geführt, die hoffentlich allen Veltliner-Freunden zu ungetrübter Freude an diesem süffigen Weißwein gereicht.

Neuigkeiten gibt es auch vom Weingut Fattoria Le Terrazze aus den Marken. So haben wir neben dem klassischen Rosso Conero DOC 2015 (R65, € 9,50) nun auch wieder das Flaggschiff des Weinguts, den fantastischen Sassi Neri Conero Riserva DOCG 2015 (R66, € 19,80), auf Lager. Beide werden zu 100% aus Montepulciano-Trauben gekeltert, die am Fuße des Monte Conero südlich von Ancona kultiviert werden. Wieder erhältlich ist außerdem das exzellente Olivenöl Extra Vergine der Fattoria, das wir heuer in 3-Liter-Kanistern anbieten (O7, € 54,00).

Mai 2018
Tocai Friulano – König des Friaul

Rosental Spumante Rosato

Dem Menschen ist es seit jeher ein Bedürfnis, seine Liebe zum geistigen Getränk in mindestens ebenso geistreiche Sinnsprüche zu kleiden. Diese beinhalten meist nur karge Auskunft über den geschätzten Stoff, und im Extremfall beschränkt man sich darauf, dessen Abwesenheit als Misere zu beklagen:

"Ein Trinkgeschirr, sobald es leer,
macht keine rechte Freude mehr."
(Wilhelm Busch)

Nur wenig konkreter wird der Dichter bei seiner Empfehlung, körperlichem Verfall mit einem tröstlichen Schluck zu begegnen: "Rotwein ist für alte Knaben eine von den besten Gaben."

In Regionen mit einer ausgeprägten Weinkultur hingegen, in denen es verpönt ist, irgendeinen Plempel in sich hineinzugießen, wird der Heil bringende Trunk präzise beim Namen genannt. Im Friaul zum Beispiel sagt der Volksmund: "Cul Tocai a sparissin duc’i mai" – frei übersetzt: Bei einem Glaserl Tocai geh‘n alle Übel vorbei. Dass diese Behauptung vollumfänglich der Wahrheit entspricht, wagen wir nicht zu behaupten. Wir fanden jedoch gewichtige Indizien dafür, als wir das letzte Aprilwochenende in dieser gesegneten Weinregion verbrachten, um die 2017er Jahrgänge der Weingüter Riz und Kitzmüller zu kosten.

Die beiden zuletzt ausverkauften Tocai Friulano aus dem Anbaugebiet Isonzo, der Bianco 2017 (Bestell-Nr. W2, € 6,90) vom Weingut Riz und der Friulano Corte Marie 2017 (W6, € 7,80) von Thomas Kitzmüller sind nun wieder auf Lager und von ausgezeichneter Qualität. Dasselbe gilt für die Malvasia Istriana beider Weingüter. Besonders hingewiesen sei auf eine Neuheit von Thomas Kitzmüller: Der Spumante Rosato Rosental (S8, € 12,00) aus Merlot-Trauben ist wunderbar fruchtig und erfreut den Gaumen durch eine besonders feine Perlage..

Wieder im Sortiment haben wir auch das Flaggschiff vom Weingut Winkler, den Grünen Veltliner Wieland 2016 (W39, € 14,60), dem die alten Reben in der Gedersdorfer Spitzenlage Wieland eine bestechende Eleganz und Mineralik verleihen.

Zu unserer Verkostungsreise ins Friaul haben wir ein paar Fotoimpressionen auf unserer Website eingestellt.

April 2018
Vinum & Oleum erobert Franken

Wahlspruch-Schmitts

Der nebenstehende Wahlspruch, der den Innenhof unseres neuen Partnerweinguts in Franken schmückt, dürfte bei der Hauptstelle für Suchtfragen wohl auf dem Index landen, für uns dagegen bildet er den erfreulichen Kulminationspunkt unserer Bemühungen um eine würdige Vertretung des Frankenweins in unserem Sortiment.

Nachdem wir vor einiger Zeit zu der Erkenntnis gelangten, dass eine Münchner Weinhandlung ohne Frankenwein auf Dauer ein Unding sei, haben wir eineinhalb Jahre lang hart daran gearbeitet, diesen Missstand zu beheben. Auf diversen Messen haben wir die Sortimente fränkischer Winzer rauf- und runterprobiert und selbstredend waren wir auch mehrfach im schönen Frankenland unterwegs, um Weingüter zu inspizieren. An dieser Stelle sei unseren Freunden gedankt, die uns bei diversen Verkostungen der zur Wahl stehenden Weine ohne Rücksicht auf ihrer Leberwerte selbstlos unterstützt haben.

Als Ergebnis dieser haarsträubenden Umtriebe präsentieren wir nun unser neues Partnerweingut, die Trockenen Schmitts aus Randersacker am Main, die einen Teil ihrer überzeugenden Winzerphilosophie bereits im Namen tragen. Weine mit spürbarem Restzucker gelten bei diesem Familienbetrieb als unverträglich und werden prinzipiell nicht hergestellt.

Zum Einstieg haben wir eine ganze Batterie von Silvanern ausgewählt, weil dieser einerseits der typischste Frankenwein ist und andererseits erheblich das Wohlbefinden steigert, wenn sich Könner wie die Schmitts um die Herstellung kümmern. Von der günstigen Literflasche 2017 für den Alltagsgebrauch (W65, € 7,90) bis hin zum Silvaner Sonnenstuhl Spätlese aus Alten Reben 2016 (W68, € 12,90) arbeitet das Weingut alle Facetten dieser großartigen Rebsorte heraus. Gewissermaßen den Mittelbau bilden der Silvaner Ewig Leben Kabinett 2017 (W66, € 7,50) und der Silvaner Sonnenstuhl Spätlese 2016 (W67, € 10,50). Ergänzt wird das Angebot vom Riesling Pfülben Spätlese 2016 (W69, € 12,20), der in einer der besten fränkischen Rieslinglagen am Steilhang wächst.

Zu unserer letzten Tour durch Franken haben wir ein paar Fotoimpressionen auf unserer Website eingestellt.

Zuletzt sei noch darauf hingewiesen, dass uns Mathias vom Weingut Schödl mit Nachschub versorgt hat. Deshalb haben wir jetzt endlich wieder einen schönen Rosengarten Rosé 2017 (R52, € 7,90) und auch der Welschriesling 2017 (W49, 6,90) ist wieder auf Lager.

Februar 2018
Winterlieferung vom Weingut Terracruda/Marken

Incrocio Bruni

Immer wenn es mitten im Winter völlig überraschend ein bisserl zapfig wird, fährt der Boulevard zuverlässig schwere Geschütze auf und stimmt uns mit Berichten über ein fiese Russenpeitsche und sibirische Monsterkälte auf zünftige Erfrierungen ein.

Passend zu diesem Wetter lag heute das "Frühjahr Spezial" von Kustermann in der SZ. Auf den ersten drei Seiten tummeln sich preiswerte Grillgeräte zwischen 600 und 2000 Euro, die uns mit genialen Features wie Tuck-away Wärmehalterosten und Flavorizer Bars (hä?) auf den Sommer einstimmen. Da kann man nur von Glück sagen, dass bei den Accessoires neben der praktischen "Burgerpresse Pro" auch Grillhandschuhe im Angebot sind.

Russenpeitsche hin oder her, wir teilen den erfrischenden Optimismus des Münchner Eisenwarenhändlers und erklären den Winter hiermit für beendet. Unser heißer Tipp für die unmittelbar bevorstehenden Hundstage: Der Boccalino 2016 (W55, € 6,80) vom Weingut Terracruda, ein duftiger, nicht zu schwerer Weißwein aus der legendären Bianchello-Traube, die einigen unsrer Kunden auch als Hasdrubals Sargnagel bekannt ist. Auch vom "Vogerlwein" Incrocio Bruni 2016 (W57, € 8,80) haben wir wieder einen hübschen Vorrat angelegt.

Sollte sich der Wärmeeinbruch wider Erwarten verzögern, empfehlen wir zum innerlichen Aufwärmen die beiden Sangiovese des Weinguts, den kernigen Orcio 2015/16 (R70, € 7,80) oder den etwas wuchtigeren, im Fass ausgebauten Olpe 2013 (R71, € 10,80). Der zuletzt ausverkaufte Vettina 2016 (R73, € 8,40), dem die Aleatico-Traube seinen schönen Veilchenduft verleiht, ist auch wieder auf Lager.

Januar 2018
Frauenpower auf Toskanisch

Merigge von Buccelletti

Haben Sie schon den neuen Jungwinzerinnen-Kalender im Weinkeller hängen? Nicht? Dann wird’s aber Zeit. Die Ausgabe gewährt mit den Fotos von spärlich bekleideten Weinberg-Hasen einen offenherzigen Einblick in die Abgründe des österreichischen Weinmarketings. Das "suberotische Machwerk" (Zitat "Das anstößige Weinmagazin Schluck"), für das übrigens wenig überraschend Richard „Mörtel“ Lugner Pate stand, kann allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Zeiten, in denen sich die weibliche Rolle in der Weinbranche aufs Marketing beschränkte, endgültig passé sind.

Selbst an der etwas angestaubten Institution der deutschen Weinkönigin lässt sich ablesen, dass die Frauen in der Weinbranche auf dem Vormarsch sind. Während die Gekrönten in der guten alten Zeit noch "echte Töchter der Weinberge, von kräftiger Statur, kerngesund und apfelbäckig" (SZ 1950 ) waren und hübsch bedirndelt als dekoratives Beiwerk in die Kameras winkten, parlieren sie heute mehrsprachig über reduktiven Weinausbau und nicht wenige schmieden Pläne für eine Karriere als Winzerin. Jedes fünfte Weingut in Deutschland ist mittlerweile in weiblicher Hand.

Frauenpower auf Toskanisch demonstrieren Lidia Castellucci und Roberta Giaccherini, die couragierten Chefinnen unseres Partnerbetriebs Famiglia Buccelletti. Mit einem Team, das zu hundert Prozent aus Frauen besteht, produzieren sie Wein und Olivenöl auf höchstem Niveau und prägen den sanften Tourismus in ihrem Heimattal.

Als rote Flaggschiffe haben sich der aus Sangiovese und Syrah gekelterte Poventa (R17, € 15,00) sowie der sortenreine Merlot Merigge (R18, € 15,00) etabliert. Von beiden haben wir jetzt den hervorragenden Jahrgang 2013 ins Lager bekommen, der erfreulicherweise mit sicheren DIAM-Korken verschlossen ist. Der 2016er Jahrgang des bewährten Arrone (R16, € 9,00) dürfte der beste sein, den das Weingut je abgefüllt hat. Neu im Sortiment ist der Albestre 2016 (R15, € 9,00), ein leichtfüßiger Rosato aus Sangiovese, dessen Etikett sicher für angeregte Diskussionen bei unseren Weinproben sorgen wird. Neu ist auch das biologisch zertifizierte Olivenöl Magrille (O6, 1 Liter-Kanister, € 17,50), das aus innovativen Olivenkulturen gewonnen wird und sehr mild und nussig schmeckt.

Vom Nachbarweingut Santo Stefano möchten wir heuer besonders den neuen Jahrgang 2015 des Zoccoli (R24, € 9,00) empfehlen. Dieser vorwiegend aus Sangiovese gekelterte Rosso ist diesmal so elegant und ausgewogen geraten, dass wir uns schon bein unserem Aufenthalt vor Ort im Oktober ausgiebig daran gütlich taten. Selbstverständlich haben wir uns bei Santo Stefano auch wieder mit dem beliebten Olivenöl Oleum und Honig aus biologischer Bienenhaltung eingedeckt.

Dezember 2017
Von Vollhollern und Ölbäumen

Pinot Noir vom Weingut Schödl

Der österreichische Bundeskanzler Christian Kern hätte sich sicher nicht träumen lassen, dass er Österreichs Wort des Jahres erschuf, als er die Flüchtlingspolitik seines geschniegelten Außenministers Sebastian Kurz als „populistischen Vollholler“ und somit als kompletten Blödsinn brandmarkte. Dass die zuständige Fachjury in der Erläuterung ihrer Wahl den Holler alias Holunder als "nutzloses Unkraut, welches höchstens für Sirup taugt", bezeichnet, ist allerdings eine üble Diffamierung dieses ehrbaren Strauchs, mit dessen Blütenduft edle Weine wie Sauvignon Blanc, Muskateller und Traminer gern hausieren gehen.

Einen vergleichsweise unantastbaren Ruf genießt seit jeher der Olivenbaum. So heißt es schon im Alten Testament: "Einst machten sich die Bäume auf, um sich einen König zu salben, und sie sagten zum Ölbaum: Sei du unser König. Der Ölbaum sagte zu ihnen: Soll ich mein Fett aufgeben, mit dem man Götter und Menschen ehrt, und hingehen, um über den anderen Bäumen zu schwanken?" Schon damals verdankte er sein hohes Ansehen zuvörderst dem hier vom Übersetzer zum banalen Fett degradierten kostbaren Öl.

Da trotz klimarelevanter Bemühungen preußischer und chinesischer Kohlepioniere in Bayern immer noch keine Olivenbäume wachsen, importieren wir das Grüne Gold auch heuer wieder aus Italien. Frisch eingetroffen (neue Ernte 2017) sind drei sortenreine biologisch zertifizierte Olivenöle und ein erstklassiger Blend vom Landgut Conventino di Monteciccardo (Marken). Toskanische Öle von Santo Stefano und Famiglia Buccelletti folgen im Januar. Neu im Sortiment und eine Empfehlung für festliche Anlässe ist ein eleganter, in Allierfässern ausgebauter Pinot Noir 2015 (R49, € 12,50) vom Weingut Schödl.

In der Rubrik "Geschenke" auf unserer Internetseite finden Sie wie immer Anregungen für den weihnachtlichen Gabentisch. Neu dabei ist der „Barolo im Holzkisterl“.

November 2017
Nebelweine aus dem Piemont

Adae, Barbera Superiore

Wie man hört, ist das Piemont ein überteuerter Landstrich, in dem betuchte Touristen aus der Schweiz den Porsche Cayenne vor einem feudalen Ristorante parken, zur Vorspeise Carpaccio all’Albese ordern, vom livrierten Kellner großzügig weißen Alba-Trüffel darüberhobeln lassen und die erlesenen Häppchen mit einem 200-Euro-Barolo hinunterspülen. Mangels Erfahrung sehen wir uns außerstande, dieses bösartige Vorurteil vollumfänglich aus der Welt zu schaffen, doch unser kürzlicher Besuch beim Weingut La Biòca hat uns doch erheblich erfreulichere Eindrücke von der berühmten Weinregion verschafft.

Daran änderten auch die berüchtigten Nebelschwaden nichts, die ab Oktober aus der Poebene über die Weinberge kriechen und die sonnenverwöhnte Landschaft in Düsternis hüllen. Möglicherweise ist es die herbstliche Schwermut, die die piemontesischen Weinbauern dazu inspiriert, mit die besten Antidepressiva der Welt zu keltern. Im Schlepptau der quirligen Geschäftsführerin von La Biòca haben wir nicht nur den bleiernen Nebel, sondern auch vortreffliche Weinlagen und eine hochmoderne Kellerei besichtigt. Die Weine sind ausgezeichnet, die Preise für piemontesische Verhältnisse erfreulich geerdet.

Den Anfang macht der feine Zabaldà Barbera d’Alba DOC 2015 (Best.-Nr. R83, € 9,00), der 10 Monate in 30hl-Fässern aus slawonischer Eiche reift. Einfach umwerfend finden wir die Edelversion dieses Weins, den Adae Barbera d’Alba Superiore DOC 2015 (Best.-Nr. R84, € 14,50), der aus über 50 Jahre alten Rebstöcken gewonnen wird und 12 Monate in 500 l-Tonneau-Fässern ausgebaut wird. Fruchtig und elegant präsentiert sich der neue „Igel im Nebel“ Riccinnebbia Langhe DOC Nebbiolo 2015 (R80, € 10,80). Eine echte Rarität ist der Faje ‘n Ross Langhe DOC Rosso 2015 (R85, € 12,50), der aus der wenig bekannten Rebsorte Freisa gewonnen wird und seine orientalisch anmutenden Gewürznoten einer 16 Monate währenden Lagerung in Tonneau- und Barriquefässern verdankt.

In der Rubrik "Vinum & Oleum auf Tour" haben wir ein paar Impressionen von unserem Besuch in der Toskana und im Piemont zusammengefasst.

September 2017
Vorspiel von der Fattoria Le Terrazze

Rosso Conero Praeludium

Die Neigung, sich selbst und andere zu kasteien, würde man religiösen Eiferern unterstellen, Weinhändlern eher nicht. Insofern ist es uns schon ein bisschen unangenehm, dass auf unserer Website beliebte Weine wie die Rosso Coneros von der Fattoria Le Terrazze seit Wochen mit rot gerahmten Ausverkauft-Hinweisen gepflastert sind. Wer ist schuld? Wir (zu wenig eingekauft)? Die Kunden (zu viel konsumiert)? Beides unerhört. Schuld ist deshalb der Klimawandel, der in manchen Gegenden und Jahren zu rotweinfeindlichen Wetterkapriolen und somit zu Lücken in unseren Lagerbeständen geführt hat.

Sehen wir es positiv: „Wer nie gedarbt, ist ohne Freude reich“, lehrt uns der Schweizer Dichter Albrecht von Haller. Andererseits kann man sich mit übertriebenen Entbehrungen ernstlich das Leben vermiesen. Insofern ist es sicher erfreulich, dass der trotz der Dichterweisheit missliche Engpass bei einigen Weinen nun ein sofortiges oder baldiges Ende hat.

Der Rosso Conero Praeludium DOC 2016 (Best.-Nr. R64, € 7,20) ist genauso fruchtig und süffig wie sein Vorgänger und macht sicher nicht nur als „Vorspiel“ eine gute Figur. Der klassische Rosso Conero DOC 2015 (R65, € 9,20) aus dem großen Holzfass steht ab November zum Verkauf.

Von der Fattoria Le Terrazze haben wir ab sofort auch ein exzellentes Olivenöl Extra Vergine (O5, 0,75 Liter, € 16,50) im Sortiment. Eine jüngst heraufziehende Ölkrise ist damit abgewendet. Vom zuletzt ausverkauften Friulano Collio DOC 2016 (W10, € 9,60) von Thomas Kitzmüller haben wir reichlich Nachschub organisiert.

August 2017
Das rosarote Stachelschwein

Civitella Rosato

Roséwein Portugieser süße Versuchung lieblich, Literflasche, € 2,99/Liter im 12er Vorteilspack – solche Angebote sind es, die den Ruf des Rosè einst ruiniert haben, und es gibt sie nach wie vor. Eine feine Sache, wenn man einen Fetzenrausch mit Kopfwehgarantie schätzt, für den gepflegten Genuss jedoch nur sehr bedingt zu empfehlen.

Zum Glück hat sich bei den meisten Weinliebhabern längst die Erkenntnis durchgesetzt, dass hochwertiger Roséwein nicht das Geringste gemein hat mit den Zumutungen aus dem Billigsegment, die zurecht als süße Plörre oder Gurgelwasser am Pranger stehen. Dass die Renaissance des Rosés mittlerweile beinahe in einen Hype umschlägt, ist wohl das Werk beflissener Marketingmenschen, die ein Leben ohne Trends für sinnlos halten.

Schon vor über zehn Jahren hat Sergio Mottura, Pionier des biologischen Weinbaus, zum ersten Mal seinen brillanten Civitella Rosato (Best.-Nr. R13, € 9,40) aus Montepulciano-Trauben gekeltert. Dem 2016er Jahrgang dieses Weins hat er nun zu unserer großen Freude einen Schraubverschluss spendiert! Mit seiner kräftigen Struktur und intensiven Kirscharomen zeigt dieser Rosato einen völlig anderen, sagen wir mal „seriöseren“ Charakter als die vergleichsweise schwachbrüstigen Sommerrosés, die zur Zeit recht gefragt sind und sicher auch ihre Daseinsberechtigung haben.

Herzstück der Produktion des Weinguts mit dem Stachelschwein als Maskottchen ist und bleibt der reinsortige Grechetto Poggio della Costa 2016 (W14, € 10,30). Diesem äußerst vielschichtigen und lagerfähigen Weißwein verdankt Sergio Mottura seinen Ruf als Meister des Grechetto und etliche 3-Gläser-Trophäen in der italienischen Weinbibel Gambero Rosso. Zum Schluss noch eine gute Nachricht für die Freunde preiswerter Mottura-Weine: Die zuletzt ausverkauften weißen „Stachelschwein-Bomben“, der Lazio Bianco IGT 3l-Bag-in-Box (W16, € 18,50), sind wieder auf Lager.

Juni 2017
Von Sämlingen und Dr.-Wagner-Reben

Sämling

Als dem Rebzüchter Georg Scheu im Jahre 1916 mit dem achtundachtzigsten Sämling seine bedeutendste Züchtung gelang, war er der Meinung, Riesling und Silvaner seien die Eltern seiner Neukreation. Damals konnte er noch nicht ahnen, dass ihm humorlose Genetiker fast 100 Jahre später nachweisen sollten, dass ihm statt Silvaner die Bukettrebe in die Kreuzung geraten war. Wie konnte das passieren, Schorsch?

Seine gleichwohl äußerst gelungene Züchtung nannte Scheu schlicht Sämling 88. Einen Preis für den fantasievollsten Sortennamen der Weinbaugeschichte hat er dafür gewiss nicht verdient. Die Umbenennung in Dr.-Wagner-Rebe zu Ehren eines Nazi-Bauernführers in den 30er Jahren bewerten wir jedoch als Desaster der schlimmeren Art. Nach dem Krieg wurde die Rebe gleichsam entnazifiziert und hieß nun wieder Sämling 88.

Dem Scheu Schorsch wollen wir aus alledem keinen Strick drehen – jemand, der so wunderbare Rebsorten hervorbringt, kann nicht von Grund auf schlecht sein. So hat er es sich redlich verdient, dass seine Züchtung in Deutschland seit den Fünfzigerjahren ihm zu Ehren als Scheurebe firmiert. Die Österreicher sind beim prosaischen Sämling geblieben. Namen sind bekanntlich Schall und Rauch. Tatsache ist, dass die Scheurebe im trockenen Ausbau hocharomatische Weine ergibt, die den Vergleich mit dem wesentlich berühmteren Sauvignon Blanc – Vorsicht Kalauer - nicht zu scheuen brauchen.

Ein Beispiel dafür ist der Sämling 2016 vom Weingut Schödl (Best.-Nr. R48, € 6,80). Im Duft paart er fruchtige Aromen mit feiner Kräuterwürze, im Geschmack dominieren saftige Zitrusnoten. Die Säure ist frisch und lebendig, aber nicht ganz so bissig wie bei Papa Riesling. Ebenfalls neu im Sortiment und eine Empfehlung für heiße Sommertage ist der Welschriesling 2016 (Best. Nr. R49, € 6,50), ein ungemein süffiger Weißwein mit feinen Apfel- und Zitrusnoten - auch vom Weingut Schödl aus dem Weinviertel.

Mai 2017
Zerlegter Chianti

Malvasia Nera

Es spricht sicher für den toskanischen Baron und Staatsmann Bettino Ricasoli, dass er sich auch von diversen italienischen Unabhängigkeitskriegen nicht davon abhalten ließ, auf seinem Landgut bei Gaiole in Chianti intensiven weinbaulichen Studien nachzugehen. Man schrieb das Jahr 1872, als Ricasoli in einem Brief an einen gewissen Professor Studiati die ultimative Rezeptur für den Chianti niederschrieb: "... der Sangioveto verleiht dem Wein den Hauptteil seines Dufts und eine gewisse Ausdruckskraft; vom Canajuolo erhält er jene Lieblichkeit, welche die Härte des ersteren mäßigt, ohne jedoch auch nur im Geringsten dessen Duft zu mindern, zumal er selbst mit einem solchen begabt ist; die Malvagia schließlich [...] neigt dazu, das Produkt aus den ersten beiden Sorten zu verdünnen, vermehrt seinen Geschmack, macht es leichter und eher geeignet für den täglichen Gebrauch zu Tische."

Etwa 130 Jahre später fasste Enzo Nocentini, Chef unseres Partnerweinguts Tiberio, den Entschluss, Ricasolis Rezeptur trotz dessen verdienstvollen Wirkens für die italienische Einigung in ihre Einzelteile zu zerlegen und aus Sangiovese, Canaiolo und Malvasia fürderhin drei separate Weine zu produzieren.

Dieser genialen Eingebung verdanken wir die Existenz der sortenreinen Malvasia Nera IGP (Best.-Nr. R20, € 13,60), von der wir letzte Woche den hervorragenden Jahrgang 2012 ins Lager bekommen haben. Ob der Baron es geschafft hätte, mit diesem wuchtigen, mit vierzehneinhalb Umdrehungen gepolsterten Rosso sein Produkt zu verdünnen, darf zumindest stark bezweifelt werden.

Von nicht weniger bemerkenswerter Qualität ist auch der Canaiolo IGP 2013 (R21, € 13,60), dessen brillanter Beerenduft mit zarten Barriquenoten unterfüttert ist. Der Sangiovese IGP 2013 (R19, € 8,20) schließlich beweist, dass sich Wein aus der wichtigsten Traube des Chianti auch sortenrein zum täglichen Gebrauch bei Tische eignet.

April 2017
Bayern verspargelt

Grüner Veltliner Ried Vordernberg

Am vergangenen Mittwoch wurde am Viktualienmarkt offiziell die Spargelsaison eröffnet, selbstverständlich in Anwesenheit von Musibuam, Goaßlschnalzern und einer reschen Spargelkönigin. A bissl spät dran waren’s allesamt, denn schon seit Ende Februar werden die Münchner Spargel-Junkies mit weißen Stangen aus bayerischen Landen versorgt. Möglich machen das findige Landschaftspfleger aus dem Bauernstand, die das einträgliche Gemüse nicht nur unter Plastikfolie päppeln, sondern darüber hinaus allen Ernstes ihre Äcker beheizen. Es ist also nur eine Frage der Zeit, wann der erste Spargel zu Weihnachten in der Butter schwimmt, und niemand sollte sich wundern, wenn er dann auf einmal wie holländische Tomaten schmeckt.

Um auch nicht ansatzweise in den Ruch zu kommen, irgendjemandem sein Edelgemüse vermiesen zu wollen, leisten auch wir unseren Beitrag zum allgemeinen Spargelwahnsinn, und zwar mit Martins Rezept für Spargel-Risotto. Für die Zubereitung braucht man etwas Fingerspitzengefühl, damit alles gleichzeitig gar wird, sprich: nicht der Reis zu hart und der Spargel zu weich bzw. umgekehrt. Deshalb ein Tipp: Es geht inspirierter von der Hand, wenn man schon zum Kochen ein Glas Weißwein bereitstellt (nicht fürs Risotto sondern für Koch und Köchin). Zur Inspiration sowie zum fertigen Gericht empfehlen wir heuer den Grünen Veltliner Ried Vordernberg 2016 (Best. Nr. 33, € 8,80), den neuen Lagen-Veltliner vom Weingut Winkler.

Ebenfalls neu im Sortiment und potenziell inspirierend sind zwei handgerüttelte Winzer-Sekte vom Weingut Schödl: der Rosé Brut aus Pinot Noir sowie der Blanc de Blanc aus Chardonnay/Weißburgunder (S3 und S4, je € 15,80). Als Neuzugang bei den Rotweinen präsentieren wir den Vettina Pergola DOC 2015 (R73, € 7,50) vom Weingut Terracruda, der zu 100% aus der aromatischen Aleatico-Traube gewonnen wird. Das Besondere an dieser kaum bekannten Rebsorte sind intensive Blütenaromen, wie man sie sonst bei kaum einem Rotwein findet.

März 2017
Igel im Nebel

Barolo Aculei, La Biòca

Ein Igel macht sich eines Nachts auf den Weg zu seinem Freund, dem kleinen Bären, um mit ihm Tee zu trinken und die Sterne zu zählen. Unterwegs verirrt er sich im Nebel, trifft einen finsteren Uhu und ein weißes Pferd, verliert sein Marmeladenglas und fällt in einen Fluss. Die Marmelade bringt ihm ein netter Hund zurück und aus dem Fluss wird er von einem Fisch gerettet. Dies ist das Sujet des bezaubernden sowjetischen Zeichentrickfilms "Der Igel im Nebel" aus den 70er Jahren.

Was ein Igel im Nebel mit Wein zu tun hat? Nun, der Igel ist das Markenzeichen der Azienda La Biòca, unseres neuen Partner-Weinguts aus dem Piemont. Der Nebel ist namensgebend für den Nebbiolo, jene göttliche Rotweintraube, der Barolo und Barbaresco ihren Weltruhm verdanken. Und "Igel im Nebel" ist nicht nur der Titel eines russischen Märchens, sondern auch der Name eines fantastischen Rotweins, des Riccinnebbia Langhe DOC Nebbiolo 2012 (Bestell-Nr. 80, € 14,50).

Mit dem Barolo Aculei DOCG 2013 (Best-Nr. 82, € 28,-) erklimmen die Igel-Weine den Rotwein-Olymp. Für sein Flaggschiff hat La Biòca keine Kosten gescheut und sich der Expertise des renommierten Önologen Franco Bernabei bedient. Die "Aculei" sind übrigens die Stacheln des Igels. Die Abrundung unseres brandneuen Nebbiolo-Sortiments bildet die sehr elegante Auslese Stërma Langhe Nebbiolo DOC 2013 (Best.-Nr. 81, € 13,40).

Dass das Team von La Biòca nicht nur mit Rotwein umgehen kann, beweisen zwei ausgezeichnete Weißweine. Der Favorosa Langhe DOC 2015 (Best.-Nr. 61, € 11,40) wird aus der Vermentino-Traube gewonnen, die in Piemont Favorita genannt wird. Das partiell eingesetzte "Orange"-Verfahren verleiht ihm besonders intensive Frucht- und Gewürzaromen. Der Ariss Langhe DOC 2015 (Best.-Nr. 60, € 7,40) aus der autochthonen Traubensorte Arneis besticht durch einen kräftigen Körper und ausgeprägte Pfirsicharomen.

Februar 2017
Merlot von Thomas Kitzmüller

Merlot Friuli Isonzo DOC 2015

Bei Weinbeschreibungen liegt häufig nur ein schmaler Grat zwischen Poesie und sprachlichem Amoklauf. Während ein Pfälzer Riesling mit mundwässernder Frische begeistert, verströmt eine mollige französische Rotweincuvée den Duft von rassigen Beeren und legt im nächsten Moment einen druckvollen Abgang hin. Wir begegnen einem rheingauer Riesling von burgundischem Ausmaß und einem südtiroler Gewürztraminer, der den Gaumen mit fordernder Frucht umgarnt. Österreich beglückt den Weinfreund mit trinkfreudigen Grünen Veltlinern, die mit animierendem Trinkfluss ins Delirium geleiten.

Vor diesem Hintergrund möge man es uns nachsehen, wenn wir bei der euphorischen Beschreibung eines Weins womöglich übers Ziel hinausschießen sollten. Diese Gefahr besteht zum Beispiel beim Merlot Friuli Isonzo DOC 2015 (Bestell-Nr. R7, € 10,40) von Thomas Kitzmüller. Der von vielen schon sehnsüchtig erwartete Nachfolger des legendären „Il Rosso“ ist weder mollig noch fordernd, dafür verströmt er den für diese Rebsorte typischen Himbeerduft. Der anteilige Ausbau im Holzfass verleiht ihm Samtigkeit und Eleganz. Vom kurzfristig ausverkauften Merlot IGT 2015 vom Nachbarweingut Riz (R1, € 6,90) haben wir zum Glück Nachschub hereinbekommen.

Die Stiftung Warentest hat preiswerte Olivenöle „nativ extra“ aus dem Supermarkt getestet (Januar 2017). Die Ergebnisse sind kein Ruhmesblatt für die Massenware der Billiganbieter: Von 24 getesteten Ölen wurde kein Einziges als „gut“ bewertet, zehn verdienten sich ein „mangelhaft“. Bei einem so wertvollen Lebensmittel vertrauen wir lieber auf die Spitzenerzeugnisse unserer italienischen Kleinproduzenten wie zum Beispiel das bewährte Oleum Extra Vergine von Santo Stefano (O1, 0,75 l zu € 15,80 bzw. 3-Liter-Kanister zu € 47,50, neue Ernte 2016).

Dezember 2016
Rosato zum Räuchersaibling

Bocca di Rosa Rosato

Seit der Erfindung des Gutscheins geht der Trend zum Event, auch beim Weihnachtsgeschenk. „Filet von der Dorade an Limettenschaum und karamellisierten Belugalinsen in Balsamico“ – mit diesem gepuderten Menüvorschlag lockt eine Schnäppchen-Agentur die schenkfreudige Kundschaft in ein mutmaßliches Spitzenrestaurant. Vom selben Anbieter werden Salzgrotten-Sitzungen, lasergetunte Haarentfernung sowie Salsa-Tanzkurse zu Kampfpreisen feilgeboten. Hoch im Kurs stehen auch Dinner in the Dark, Ferrari fahren und Übernachtungen in Seifenblasen-Hotels – was immer das zu bedeuten hat.

Wir beschränken uns heuer auf einige konservative Tipps fürs weihnachtliche Festessen. Und damit zurück zum Fisch. In vielen Haushalten ist es Brauch geworden, an Heiligabend anstelle eines opulenten Karpfens geräucherte Lachsfische zu servieren. Ein derart kalorienarmes Bescherungsmahl erhöht die Überlebenschancen an den beiden Weihnachtsfeiertagen, an denen es in verschiedenen Teilen der Familie meist fette Gänse zu verspachteln gilt.

In diesem Zusammenhang sei darauf hingewiesen, dass es bei Vinum & Oleum einen brandneuen und sehr gehaltvollen Rosato aus Sangiovese-Trauben gibt, der auf kongeniale Weise mit Räucherfisch harmoniert: den Bocca di Rosa (R26, € 8,50) vom Weingut Santo Stefano (Toskana). Zur Verfeinerung von Lachs, Forelle oder Saibling ist es ratsam, diese mit einem erstklassigen Olivenöl zu beträufeln, beispielsweise mit dem Frà Giocondo vom Conventino di Monteciccardo (O4, neue Ernte 2016). Als prickelnden Aperitif zu festlichen Menüs oder auch als Knaller für die Silvesternacht empfehlen wir den Donna Giulia Spumante Brut vom Weingut Le Terrazze (S5, € 14,80).

In der Rubrik "Geschenke" auf unserer Internetseite finden Sie durchweg konservative Anregungen für den weihnachtlichen Gabentisch. Um den Anschluss an die Moderne nicht gänzlich zu verlieren, spielen wir mit dem Gedanken, ab nächstem Jahr „Weinproben in the Dark“ anzubieten. Unser Wahlspruch „Ich glaub, es ist ein Roter“ wird dann in völlig neuem Licht erscheinen.

November 2016
Herbstliche Reserven

Profondo Sangiovese

Wenn es "an die Reserven geht", bedeutet das meist nichts Gutes. Man denkt an Burnout-Syndrom und leere Kassen. Der passionierte Weintrinker hingegen geht mit Freude an die Reserven, sofern es sich nicht um die letzten Flaschen im Keller, sondern um besonders edle, lange gereifte Weine handelt. Allerdings ist es von Land zu Land und Anbaugebiet zu Anbaugebiet völlig unterschiedlich oder auch überhaupt nicht geregelt, was unter einer Reserve/Riserva/Reserva/Réserve zu verstehen ist. Mit zusätzlichen Qualitätsbegriffen wie DOCG, Gran Cru, Auslese oder Superiore sorgen die Marketingstrategen vielsprachig für zusätzliche Verwirrung auf den Weinetiketten.

Bei einem französischen Grand Cru Grande Réserve handelt es sich mutmaßlich um einen oberschichttauglichen High-End-Schampus, der vorzugsweise bei Schiffstaufen oder Siegerehrungen verplempert wird. Bei einem Chianti Classico Riserva DOCG freuen wir uns auf einen perfekt gereiften XXL-Turbo-Sangiovese, der jedoch überraschenderweise mühelos von einer Gran Selezione getoppt wird. Letztlich bleibt dem geneigten Konsumenten nichts anderes übrig, als in jedem Einzelfall zu recherchieren, für welche Qualitätskriterien die "Reserve" konkret steht.

Wir möchten heute drei Reserven empfehlen, die sich aufgrund ihrer kraftvollen Struktur trefflich dazu eignen, Blutbahn und Seele vor frühwinterlicher Vereisung zu schützen. Der Profondo Sangiovese DOC 2013 vom Weingut Terracruda (R72, € 18,80) hat sich sein "Riserva" durch eine 24 Monate währende Reifung verdient. Nach der Gärung lagert der Profondo für mindestens 12 Monate in neuen Barriquefässern und bleibt dabei in Kontakt mit den Hefen, die wöchentlich aufgerührt werden. Diese aufwendige Kellertechnik verleiht dem Sangiovese-Flaggschiff des Weinguts außergewöhnlich intensive Aromen. Anschließend reift der Profondo mindestens 12 weitere Monate auf der Flasche, bevor er in den Handel kommt.
Die beiden Grünen Veltliner Moosburgerin Kremstal DAC Reserve 2015 von Winkler (W34, € 10,80) und Alte Reben Weinviertel DAC Reserve 2014 von Schödl (W43, 13,80) zeichnen sich durch reife Obstaromen und einen geschmeidigen, langen Abgang aus. Wer möchte, kann unter den folgen Links nachlesen, welche Qualitätskriterien die jeweiligen DAC Reserven im Kremstal bzw. im Weinviertel erfüllen müssen. Kriterien hin oder her – beide sind exzellente Veltliner, die man sich gerade in der kühlen Jahreszeit gelegentlich gönnen sollte.

September 2016
Bianchello del Metauro oder: Hasdrubals Sargnagel

Bianchello del Metauro Superiore DOC

Es war im Jahre 207 v. Chr., als der karthagische Feldherr Hasdrubal während des zweiten punischen Kriegs am Fluss Metaurus südlich von Ariminum (Rimini) auf zwei starke römische Heere traf. Am Vorabend der unvermeidlichen Schlacht kamen seine gallischen Söldner auf die geniale Idee, sich am Wein aus der Gegend zu laben. Aufgrund der schon damals bestechenden Süffigkeit des Bianchello del Metauro mündete der Umtrunk in ein verheerendes Besäufnis. Am Tag der Schlacht waren die Söldner ihrem Feldherrn keine Hilfe mehr, und Hasdrubals Kopf landete alsbald als makabres römisches Wurfgeschoss im Lager seines Bruders Hannibal.

Wir beziehen diesen geschichtsträchtigen Weißwein vom Weingut Terracruda, wo wir im Mai dieses Jahres eine Woche auf den Spuren von Hasdrubals Söldnern verbrachten, jedoch im Unterschied zu diesen glücklicherweise nicht in kriegerische Auseinandersetzungen mit römischen Heeren verwickelt wurden. Das Weingut, das sich etwa 40 km südöstlich der Universitätsstadt Urbino im sanften Hügelland der italienischen Region Marken befindet, ist auf regionale Traubensorten spezialisiert und liefert uns den famosen Bianchello del Metauro in zwei Ausbaustufen: Der Boccalino DOC 2015 (Bestellnr. W55, € 6,30) verführt als leichtfüßiger Weißwein aus dem Stahltank zu unbeschwertem Genuss. Beim Campodarchi Argento DOC superiore 2013 (W56, € 9,80) wird ein Teil des Weins in neuen Barrique-Fässern vergoren und reift dort 12-18 Monate auf der Feinhefe. Dieses moderne Herstellungsverfahren verleiht dem Campodarchi eine phänomenale Aromadichte. Charakteristisch für den Bianchello ist ein feiner Duft, der an blühende Wiesen erinnert.

Weitere Neulinge vom Weingut Terracruda:
Ein gehaltvoller und sehr harmonischer Weißwein ist der Incrocio Bruni IGT 2015 (W57, € 7,80), der wegen seines hübschen Etiketts in unserem internen Sprachgebrauch als Vogerlwein firmiert. Die wiederentdeckte Kreuzung aus Verdicchio und Sauvignon Blanc ist eine absolute Rarität und wird nur von wenigen Weingütern in den Marken kultiviert.
Mit dem Orcio Sangiovese DOC 2015 (R70, € 6,90) kommt ein sehr preisgünstiger und geradliniger Rotwein ins Sortiment. Sein großer Bruder ist der Olpe Sangiovese Riserva DOC 2013 (R71, € 10,80), der seine urwüchsige Kraft aus einer 24 Monate währenden Reifung in Barriquefässern schöpft.
Der Spumante Brut Rosato 2015 (S7, € 10,80) aus Sangiovese-Trauben ist ein vortrefflicher Aperitif. Zum Abschluss eines gepflegten Essens empfehlen wir ein ganz besondere Spezialität aus dem Marken: den Fratte di Visciola (B2, € 20,80). Dieser intensiv nach Kirsche duftende Acquavite wird aus einer regionalen Sorte von Sauerkirschen gebrannt, die zuvor für die Herstellung von Kirschwein verwendet wurden.

Juli/August 2016
Pink Fluid live bei Vinum & Oleum

Pinkfluid Rosato 2015

Mit Profi-Reibeisen Bob Dylan kann man sicher alles Mögliche assoziieren, aber wohl kaum einen eleganten Rosé-Wein. Dylan-Fan Antonio Terni von der Fattoria Le Terrazze blieb deshalb gar nichts anderes übrig, als für seinen Rosato den Namen eines anderen Musikmonuments zu verwursten. Der aus 100% Syrah gekelterte Pinkfluid Marche Rosato 2015 (€ 7,90, Bestell.-Nr. 68) ist jedoch nicht nur wegen seines pfiffigen Namens und seiner wunderbaren dunkelrosa Farbe ein bemerkenswerter Tropfen, sondern vor allem wegen seines schönen Beerendufts und seiner beinahe cremig anmutenden Geschmeidigkeit.

Der weithin hörbare Ruf nach preiswerten Rotweinen sowie ein nicht unerheblicher Eigenbedarf haben uns veranlasst, den beiden schon im Sortiment befindlichen Montepulciano-Weinen aus dem Anbaugebiet um den Monte Conero südlich von Ancona/Marken einen weiteren hinzuzufügen. Der Rosso Conero Praeludium DOC 2015 (€ 6,80, R64) ist der Jungspund unter den Rossos der Fattoria Le Terrazze. Der Ausbau im Stahltank bringt einen sehr fruchtigen und nicht zu schweren Alltagswein hervor, der sich zum Beispiel blendend mit Pastagerichten versteht. Auf ca. 16°C heruntergekühlt gibt dieser mit 15% Syrah-Trauben garnierte Montepulciano auch einen erfrischenden Sommerrotwein ab.

Als prickelnde Ouvertüre zu einem gepflegten Gelage empfehlen wir die beiden erstklassigen Spumante Donna Giulia Brut 2013 (€ 14,80, S5, 100% Montepulciano) und Rosantium Brut Rosé 2010 (€ 12,90, S6, 50% Montepulciano, 50% Pinot Nero). Beide werden in traditioneller Flaschengärung hergestellt und gelangen während einer mindestens drei Jahre währenden Hefelagerung in einem historischen Kellergewölbe zu perfekter Reife. Die blitzsaubere Grappa Sassi Neri (€ 20,80, B1) rundet den Neulings-Reigen von der Fattoria Le Terrazze ab.

Juni 2016
Zielwasser für Thomas Müller

Grüner Veltliner loess.eins, Weingut Winkler

Dass unser Instinktstürmer aus der oberbayerischen Golfplatz-Provinz Pähl gleich reihenweise die Bälle am Tor vorbei semmelt oder an den Pfosten müllert wie gegen die bedauernswerten Nordiren und Slowaken, kann eigentlich nur am fehlenden Zielwasser liegen.

Unser Vinum&Oleum-Geheimtipp für Stürmer mit Ladehemmung: Grüner Veltliner loess.eins 2015 (€ 6,70, Bestellnr. W31) vom Weingut Winkler. Anwendung: innerlich, eine halbe Stunde vor dem Spiel, zwei bis drei Glasln – dieser Wein mit Biss und feinem Apfelaroma erfrischt und schärft die Sinne! Aber nicht vom Bundesjogi erwischen lassen.

Und auch für die italienischen Abwehrrecken Barzagli, Bonucci und Chiellini hätten wir eine Empfehlung für das Aufwärmprogramm vor dem Viertelfinale: den frisch eingetroffenen und sehr gelungenen Bianco (=Tocai) 2015 (€ 6,90, W2) vom Weingut Riz, jeder 3 Flaschen, die Kerle halten was aus. Winzer Fabian Riz ist nebenbei Fußballtrainer und garantiert für die totale Orientierungslosigkeit jeder 3er-Abwehrkette nach dieser echt friulanischen Sonderbehandlung.

Das Schöne am Rebsaft ist seine Vielseitigkeit. So ist es seit Jahrhunderten Brauch, dass der Mensch im Wein Vergessen sucht. Und damit kommen wir zu unserer letzten Empfehlung, gewidmet David Alaba, Wayne Rooney und all jenen, die unter der Allgegenwart des Fußballs in diesen Wochen leiden: Zoccoli Valdichiana DOC 2011 (€ 8,40, R24) vom toskanischen Weingut St. Stefano. Der neue Jahrgang dieses biologisch produzierten Sangiovese-Weins, der einem kurzen Abstecher ins Barrique-Fass seine besondere Finesse verdankt, lässt alles in einem milderen Licht erscheinen, selbst bitterste Niederlagen und die melancholische Erkenntnis, dass sich der Rest der Welt derzeit nur für Tore und Bier interessiert.

Mai 2016
Kitzmüller!

Traminer Aromatico von Kitzmüller

Angenommen, unser werter Heimat-Minister erlässt ein Gesetz, wonach Wein mit Migrationshintergrund nur noch in 400 km Mindestabstand zum nächsten fränkischen Weingut verkauft werden darf. Zeitgleich lassen die Österreicher in ihrer FPÖ-Paranoia die Schlagbäume herunter und schicken italienischen Wein an der Grenze als Promille-Flüchtling zurück mit der Begründung, das Boot sei schon mit Zweigelt und Veltliner voll? Ein Leben ohne Tocai Friulano und Sangiovese, kalter Entzug ...

Gott sei Dank sind das alles nur Horrorszenarien ohne jeglichen Bezug zur Realität. In der rosigen Wirklichkeit hat unsere Hausspedition Schenker die Weine von Thomas Kitzmüller auch ohne Schleuser über die Grenze gebracht und niemand hindert uns daran, sie an unsere geschätzte Kundschaft zu veräußern. Dass der Jahrgang 2015 in Friaul auch noch von hervorragender Qualität ist, setzt dieser guten Nachricht das I-Tüpfelchen auf. Als besondere Preziose sei vor allem der fantastische Traminer Aromatico Collio (Best.-Nr. W8, € 11,50) erwähnt, aber auch die beiden Friulano und alle anderen Weißweine sind ausgezeichnet geraten.

Bei den Rotweinen ist ab sofort der wie immer sehr feine Cabernet Franc Corte Marie (R6, € 7,50) im Handel, einen Merlot Friuli Isonzo 2015 als Nachfolger für den beliebten „Il Rosso“ sowie einen Cabernet Franc Collio 2015 hat Thomas Kitzmüller für den Herbst angekündigt. Die Weine vom Nachbarweingut Riz werden heuer später abgefüllt und sollten im Sommer bei uns eintreffen.

Einen Fotobericht zu unserem Aufenthalt in den italienischen Marken finden Sie unter „V&O auf Tour“ auf der Startseite oder direkt über diesen Link. Wir berichten über neu entdeckte Weine und geben nützliche Urlaubstipps.

Mai 2016
Bomben-Alarm bei Vinum & Oleum!

Bombe von Sergio Mottura

Gerade noch rechtzeitig vor den anstehenden Weißwein-Kübel-Wochen sind unsere 3-Liter-Biowein-Bomben (€ 18,50 Best. Nr. R8 bzw. W16) vom Weingut Mottura eingetroffen! Der praktische und preisgünstige Bag-in-Box-Wein ist nun auch wieder als Bianco erhältlich.

Die Bomben-Qualität der Olivenöle vom Conventino di Monteciccardo hat sich inzwischen herumgesprochen. Unseren Besuch bei dem Landgut Anfang Mai haben wir dazu genutzt, das Angebot um ein 3-Liter-Gebinde zu erweitern: Frà Giocondo, Monocultivar, Sorte Leccino, 3-Liter-Bag-in-Box (€ 51,50, Best.-Nr. O7-c).

Frà Giocondo, Olivenöl vom Conventino di Monteciccardo Der Liter-Preis für dieses Spitzenöl reduziert sich dadurch auf € 17,17. Die Verpackung in Bag-in-Box ist eine ungewohnte, aber ideale Lösung: Da das Olivenöl auch nach dem Öffnen des "Schlauchs" nicht mit Sauerstoff in Berührung kommt, bleibt es länger absolut frisch.

April 2016
ViniLeaks

Sangiovese vom Weingut Tiberio

Gedankenspiele, unseren Weinhandel in Zukunft steuersparend über die Briefkastenfirma DIRIDARI Unlimited auf den Britischen Jungferninseln abzuwickeln, haben sich nach Ruchbarwerdung der Panama Papers krachend erledigt. Solcherlei Datenlecks sind gewiss bedauerlich, doch nicht ansatzweise so katastrophal wie ein undichter Weinkeller, aus dem in kürzester Zeit Unmengen von Sangiovese verdunsten.

Das Leck in unseren Beständen vom Weingut Tiberio ist mittlerweile zum Glück behoben: Der 2013er Jahrgang des wie immer wunderbar kernigen Sangiovese IGP (Bestell-Nr. R19, € 8,20) ist vor Kurzem eingetroffen. Auch Malvasia Nera 2011 (R20, € 13,60) und Canaiolo 2011 (R21, € 13,60) aus Enzo Nocentinis Raritätenkabinett sind nun wieder auf Lager!

Vergangene Woche fand in der Münchner Tonhalle die Präsentation der neuen Weinviertler DAC-Weine statt. Mathias Schödl, der Erfinder des schon nach einem Jahr legendären GreenGo, hat bei diesem Anlass einige seiner 2015er Weißweine vorgestellt. Besonders erwähnt sei hier der extrem leiwande Grüne Veltliner Lösshügel DAC (W41, € 7,50), den man getrost als Paradebeispiel eines pfeffrigen Weinviertler Veltliners bezeichnen kann.

Für die ersten warmen Tage möchten wir außerdem unsere beiden Rieslinge empfehlen, die bei den letzten Weinproben eine exzellente Figur gemacht haben: Der Riesling Steingraben 2014 vom Weingut Winkler (W35, € 7,90) besticht durch ausgeprägte Mineralik und den für Winkler-Weine typischen Biss. Der Clou des Riesling 2014 vom Weingut Schödl (W45, € 7,90) sind wundervolle Citrusaromen. Beide beweisen, dass guten Rieslingen das eine oder andere Jährchen Reifung auf der Flasche durchaus zuträglich ist.

März 2016
Weinmesse Vinessio und Montepulciano vom Feinsten

Weingut Schödl auf der Vinessio

Vor Kurzem fand im Zenith in Freimann die Weinmesse Vinessio statt, bei der vor allem kleinere Produzenten aus Deutschland und Österreich ihre Weine präsentieren. Einerseits sind derlei Veranstaltungen ein nützliches Forum für den direkten Austausch zwischen Winzer und Konsument. Andererseits bieten sie für das eher promilleorientierte Publikum eine willkommene Gelegenheit zum kostengünstigen Flatrate-Bechern.

Sassi Neri Riserva von der Fattoria Le Terrazze

Eine thematisch seriösere Mission verfolgte das Vinum & Oleum-Team bei seinem Messebesuch. Die Aufgabe bestand darin, neue Jahrgänge und Weine unserer Partner-Weingüter Köller, Schödl und Winkler zu verkosten, was wenig überraschend auch gelang und zu höchst erfreulichen Erkenntnissen führte. Die 2015er Weißweine – zum Teil schon in der Flasche, zum Teil aus Fassproben vorgestellt – sind auch dank günstiger Witterung von ausgezeichneter Qualität und werden im Laufe des Jahres in unser Sortiment integriert. Das Foto zeigt Leonhard und Herbert Schödl bei der Messe-Arbeit.

Soviel zur Zukunft, nun zur Gegenwart: Soeben eingetroffen und neu im Sortiment sind zwei Montepulciano-Weine aus den italienischen Marken, die wir von der Fattoria Le Terrazze beziehen.
Zum einen der Rosso Conero DOC 2013 (€ 8,90, R65) - ein exzellenter und sehr sortentypischer Montepulciano, der 12-15 Monate im großen Holzfass reift. Er würde sich beispielsweise gut mit einem Lammbraten vertragen - ein neues Rezept dazu findet sich in unserer kulinarischen Rubrik.
Zum anderen das Flaggschiff des Weinguts, der Sassi Neri Conero DOCG Riserva 2011 (€ 19,80, R66) - ein Barrique-Wein von kaum zu übertreffender Eleganz und sicher der beste Montepulciano, den wir je probiert haben. Die Weinberge der Fattoria Le Terrazze gehören zum Weinbaugebiet an den Hängen des Monte Conero in umittelbarer Nähe zur Adria südlich von Ancona.

Der zuletzt ausverkaufte St. Laurent 2013 vom Weingut Schödl wird ab sofort von der St. Laurent Reserve 2014 (€ 8,90, Best.-Nr. R50) abgelöst.

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Januar 2016
Die Poesie des Olivenöls

Olivenöl vom Conventino di Monteciccardo

Wenn der Sommelier einen rubinrot funkelnden Barolo kunstvoll im Kreise schwenkt, seinen Experten-Rüssel tief ins Riedel-Glas taucht und dann mit wichtiger Miene eine mit Tabak und Teer unterlegte Backpflaume diagnostiziert, so ringt uns das allenfalls ein wissendes Nicken ab. Schließlich outet man sich heutzutage schon als komplette Banause, wenn man gewöhnliches Helles aus Maßkrügen trinkt und als „süffig“ lobt. Der moderne Biertrinker füllt sein India Pale Ale in Spielzeuggläser, beschnuppert es und beschwört den Duft von Pink Grapefruit, Limette und Orangenschale. Von den verbalen Exzessen der Whiskey- und Kaffeegenießer wollen wir hier gar nicht reden ...

Stattdessen sei an dieser Stelle ein kurzer Exkurs in die Poesie des Olivenöls erlaubt. Es geht schließlich nicht an, das Grüne Gold mit ein bisschen „fruchtig und nussig“ abzuspeisen. Thymian, Minze, Rosmarin, Distel, Mandel, Walnuss, Artischocken, Tomatenblätter, Kiwi, Apfel, Paprikaschoten und Grüner Pfeffer sind nur ein Teil des aromatischen Arsenals, mit dem die Verkoster beim Lobpreis hochkarätiger Extra-Vergine-Essenzen um sich werfen.

Ein Schuss Fantasie und Augenzwinkern mag hilfreich sein, um dieses geschmackliche Kaleidoskop in allen Nuancen nachempfinden zu können. Nichtsdestotrotz bleibt festzuhalten, dass erstklassige Olivenöle nicht nur die geschmacksarme und schlimmstenfalls ranzelnde Billigkonkurrenz weit hinter sich lassen, sondern sich auch untereinander durch eine beeindruckende Aromavielfalt unterscheiden. Davon konnten wir uns ein weiteres Mal überzeugen, als uns die Hausherren des Landguts Il Conventino di Monteciccardo einen Reigen sortenreiner Öle kredenzten, die sie in ihrer eigenen, hochmodernen Mühle in den italienischen Marken erzeugen.

Die unverschnittenen Olivenöle des „Conventino“ eignen sich besonders gut, um die typischen geschmacklichen Eigenschaften verschiedener Olivensorten zu entdecken. Im Sortiment haben wir das Frà Pasquale (€ 16,50, 0,75 l, Bestellnr. O6b) aus der lokalen Sorte Raggiola, das Frà Giocondo (€ 16,50, 0,75 l, Bestellnr. O7b) aus der in ganz Italien beliebten Leccino-Olive und das Frà Clemente (€ 19,90, 0,75 l, O8b) aus der französischen Sorte Picholine. Das gesamte Angebot finden Sie in der Rubrik Olivenöl.

Unser Weintipp des Monats ist der Blaufränkisch DAC Leithaberg 2011 (€ 12,50, Bestellnr. R46) vom Weingut Köllerhaus. Eine kompromisslose Ertragsbeschränkung und maßvoller Holzausbau verleihen ihm intensive Beerenfrucht, typische Würze und beachtliches Lagerpotenzial.

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Leben ohne Wein ist möglich, aber sinnlos.